1. Nachrichten
  2. Panorama

Erpressungs-Drama à la Hollywood

Erpressungs-Drama à la Hollywood

München. Es liest sich wie der Stoff für einen Hollywood-Thriller: Die Liebesbeziehung zu einem smarten Unternehmer entpuppt sich für die reichste Frau des Landes als Falle. Mit Lügengeschichten erleichtert der Kriminelle die verheiratete Milliardärin zunächst um einige Millionen Euro, um sie dann mit kompromittierenden Aufnahmen zu erpressen

München. Es liest sich wie der Stoff für einen Hollywood-Thriller: Die Liebesbeziehung zu einem smarten Unternehmer entpuppt sich für die reichste Frau des Landes als Falle. Mit Lügengeschichten erleichtert der Kriminelle die verheiratete Milliardärin zunächst um einige Millionen Euro, um sie dann mit kompromittierenden Aufnahmen zu erpressen. Für die Erbin der Unternehmerfamilie Quandt, Susanne Klatten (Foto: ddp), wurde dieses Szenario offenbar Wirklichkeit: Ein Sprecher bestätigte am Wochenende, Klatten habe bereits im Januar Strafanzeige wegen Betrugs und Erpressung gestellt.Unter Berufung auf die Ermittlungsakten rekonstruieren italienische Zeitungen den Fall. Mindestens vier reiche deutsche Frauen erliegen dem Charme des Schweizers Helg S. Mit der Zeit berichtet S. den Damen von der furchtbaren Gefahr, in der er schwebe: Er werde von der italo-amerikanischen Mafia bedroht, weil er bei einem Autounfall ein Kind aus einer Mafiafamilie erfasst habe. Nun brauche er Geld, um die Bosse zu entschädigen. Sonst würden sie ihn umbringen. Klatten gibt ihm 7,5 Millionen Euro. Doch S. gibt sich nicht zufrieden, beginnt Klatten zu erpressen. Er droht, kompromittierende Aufnahmen von den gemeinsamen Treffen zu verbreiten.Für die Geldübergabe wird ein Treffen in Monte Carlo am 14. Januar vereinbart. Doch statt auf sein Erpressungsopfer trifft S. dort auf Polizisten. Klatten hatte Strafanzeige gestellt. Ein Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamts bestätigt die Festnahme von S. auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls. Er sei nach Deutschland ausgeliefert worden. Im Juni wird dann in Italien ein Komplize des Schweizers festgenommen: Ernano B., Unternehmer und angeblich Sektenführer. In einem Zwischenraum unter einem Dach finden die Ermittler etwa 1,7 Millionen Euro, und sie beschlagnahmen zehn Luxusautos, zwei Villen und ein Mehrfamilienhaus. Viele Millionen Euro, von mehr als 20 Millionen ist in einem Pressebericht die Rede, sollen von den Tätern schon in Sicherheit gebracht worden sein. B. war den Berichten zufolge stets dabei, wenn S. sich mit den reichen Frauen in Nobelhotels traf, um die Zusammenkünfte zu filmen. Von den Aufnahmen fehlt bislang aber offenbar jede Spur.Noch bizarrer als der Erpressungsfall sind die Rechtfertigungsversuche der Täter. Laut B. wollte sich S. für das Schicksal seiner jüdischen Verwandten im Dritten Reich rächen: Der Vater einer der erpressten Frauen sei ein enger Mitarbeiter Hitlers gewesen. Eine weitere Dame sei Tochter eines Industriellen, der Zwangsarbeiter beschäftigt habe, darunter Verwandte von S.