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Eine Katastrophe mit Ansage

Eine Katastrophe mit Ansage

Washington. Es ist ein Zitat, das US-Präsident Barack Obama vermutlich am liebsten aus dem Geschichtsbuch streichen will. "Bohrinseln verursachen heute im Allgemeinen keine Ölpest", sagte der Präsident, als er im April vorigen Jahres neue Bohrungen in Küstengewässern erlaubte

Washington. Es ist ein Zitat, das US-Präsident Barack Obama vermutlich am liebsten aus dem Geschichtsbuch streichen will. "Bohrinseln verursachen heute im Allgemeinen keine Ölpest", sagte der Präsident, als er im April vorigen Jahres neue Bohrungen in Küstengewässern erlaubte. Nicht mal ein Jahr später zeigt der Bericht einer Regierungskommission über die Ölpest im Golf von Mexiko noch einmal deutlich auf, wie falsch der Präsident mit seiner Einschätzung lag.

Die schlimmste Umweltkrise in der US-Geschichte offenbarte gefährliche Sicherheitslücken bei Tiefseebohrungen, urteilt das siebenköpfige Gremium, das der Präsident eingerichtet hatte. Die Aufsichtsbehörde zahnlos, die staatlichen Einsatzkräfte schlecht ausgebildet, die profitgierige Industrie viel zu risikofreudig. Die Ölpest nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April 2010 war eine Katastrophe mit Ansage, so das Gremium.

Dabei hätte es niemals so weit kommen müssen, dass 780 Millionen Liter Rohöl über Monate ungehindert aus einer defekten Ölquelle ins Meer schießen. Dass die Brühe mehr als 1000 Kilometer Küste und sensibles Marschland vergiftete, mit unabsehbaren Langzeitfolgen für die Umwelt und zehntausende Arbeitsplätze. "Die Katastrophe hätte nicht passieren müssen. Sie war vorhersehbar und vermeidbar", sagte der Co-Vorsitzende der Kommission, Bob Graham, gestern.

Eine Reihe von Fehlurteilen trug zu dem Desaster bei. Warnsignale wurden schlicht ignoriert. Zeitdruck, Sorglosigkeit und mangelnde Kommunikation der beteiligten Unternehmen BP, Transocean und Halliburton ergaben eine gefährliche Mischung. Die Regierung und Behörden hätten mit ihrer schlechten Ausstattung und dem fehlendem Wissen nur hilflos zuschauen können.

Das vernichtendste Urteil der Experten ist jedoch, dass eine solche Katastrophe jederzeit wieder passieren könnte. Nur massive Reformen könnten das verhindern. Im Klartext heißt das: Mehr Geld für die staatlichen Aufseher und eine erheblich kürzere Leine für die bislang in den USA nur zaghaft regulierte Ölindustrie.

 Die Auswirkungen sind immens: Noch immer sind kilometerweit Strände und Küsten mit Öl verseucht. Foto: dpa
Die Auswirkungen sind immens: Noch immer sind kilometerweit Strände und Küsten mit Öl verseucht. Foto: dpa
 Am 20. April 2010 explodierte die Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko. Insgesamt 780 Millionen Liter Rohöl flossen ins Meer. Foto: dpa
Am 20. April 2010 explodierte die Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko. Insgesamt 780 Millionen Liter Rohöl flossen ins Meer. Foto: dpa
 Die Auswirkungen sind immens: Noch immer sind kilometerweit Strände und Küsten mit Öl verseucht. Foto: dpa
Die Auswirkungen sind immens: Noch immer sind kilometerweit Strände und Küsten mit Öl verseucht. Foto: dpa

Doch Umweltschützer bezweifeln, ob Vorschläge der Kommission jemals umgesetzt werden können. Seit der Kongresswahl im vergangenen November haben die industriefreundlichen Republikaner die Oberhand im Abgeordnetenhaus. Fraglich, ob gerade sie Gesetze durchwinken, die von der Öl-Lobby als zu teuer und umständlich abgelehnt werden. "Wir haben keine großen Hoffnungen für die Reformen", sagt Kert Davies von Greenpeace.