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Ein US-Heiligtum in Gefahr

Ein US-Heiligtum in Gefahr

Von den vielen Waldbränden in Kalifornien gehört dieser zu den bedrohlichsten. Die Flammen nehmen Kurs auf den Yosemite National Park. Auch Riesenmammutbäume sind in Gefahr. Die Amerikaner fürchten um ein Nationalheiligtum.

Der Highway 120 zum berühmten US-Nationalpark Yosemite in Kalifornien kann im Sommer eine Goldgrube sein. Unzählige Touristen auf ihrem Weg in die Naturoase machen hier Halt in Hotels, an Tankstellen und in Restaurants. Doch zur Zeit wirkt die Straße auf einem Abschnitt rund 40 Kilometer westlich des Parks wie ausgestorben. Die Strecke ist auf dieser Seite wegen des gewaltigen Waldbrandes in der Region geschlossen. Für die Geschäftsleute und ihre Angestellten bedeutet das herbe Verluste. Nicht nur sie hoffen, dass die insgesamt rund 3400 Feuerwehrleute die Flammen schnell in den Griff bekommen.

Gestern hatte sich das Feuer mit dicken Rauchwolken auf eine Fläche ausgedehnt, die der Millionenmetropole Chicago entspricht. Erst sieben Prozent waren eingedämmt. Obwohl nach neun Tagen endlich Hoffnung aufkeimt - die Ausbreitung hat sich zuletzt verlangsamt - herrscht riesige Nervösität. Zehn Prozent der Brandfläche liegen in Yosemite. Die Verantwortlichen wollen um jeden Preis vermeiden, dass sich die Flammen weiter hineinfressen. "Der Park ist ein Nationalheiligtum", sagt eine Sprecherin der US-Forstbehörde dem Sender CNN. "Was auch immer notwendig ist, wir werden alles in unserer Macht tun, den Park zu beschützen."

Noch aber scheinen die meisten Besucher nicht viel von der drohenden Katastrophe zu merken - auch wenn am Rand schon Gebäude zerstört wurden. "Der Park ist größtenteils nicht von dem Feuer betroffen und relativ rauchfrei", heißt es auf der offiziellen Webseite. Nur im Norden sehe man ein wenig Rauch. Hunderte Campingplätze und Holzhütten seien weiterhin voll belegt. Dennoch ist die Ungewissheit zermürbend. Experten zufolge muss nur der Wind ungünstig drehen, um das Feuer erneut anzufachen. So war das in den Tagen nach dem 17. August, als der Brand erstmals entdeckt wurde. Auch wenn Fachleute derzeit nicht damit rechnen, kann das theoretisch wieder passieren. Zumal vorhergesagte Böen die Windgeschwindigkeit in der Region immer mal wieder auf mehr als 50 Kilometer pro Stunde antreiben können. Erschwerend kommen die vielen naturgegebenen Herausforderungen für die Brandbekämpfer hinzu: Steile Abhänge, zerklüftetes Terrain, trockene Sträucher und immer wieder dieser beißende, grelle Rauch. Die Feuerwehrleute heben Gräben aus, starten Gegenfeuer, vernichten Buschwerk und schießen aus schweren Löschschläuchen gegen die Brunst.

Laut US-Medien gehört der Brand nunmehr zu den 15 größten, die der Staat je erlebt hat - und in Kalifornien toben häufig schwere Feuer. Doch dieses gefährdet nicht nur den Yosemite-Park, die berühmten Riesenmammutbäume oder den Profit der Tourismusindustrie. Auch die Einwohner der Ortschaften auf seinem Weg fürchten um ihr Hab und Gut.

In Groveland, Tuolumne City und anderen malerischen Städtchen hängt ihr Schicksal von den Erfolgen der Feuerwehr ab. "Ich konnte nichts essen, weil ich nicht wusste, ob unser Haus abgebrannt ist oder nicht", sagt Abby Esteres, die eine Woche nicht heimkehren durfte, der "Los Angeles Times". "Wir sind immer noch nicht sicher. Aber es ist besser. Ich konnte das erste Mal seit Tagen frühstücken."