Ein Symbol für Amerikas böse Seite

Washington. Mit einem eiskalten Lächeln schrieb er Fernsehgeschichte: Larry Hagman hat 14 Jahre lang die böseste Seite Amerikas, des Kapitalismus oder einfach des menschlichen Charakters gezeigt. Als J.R. Ewing in 350 Folgen "Dallas" wurde er in über 80 Ländern der Erde zu einem festen Bestandteil der achtziger Jahre - und nicht zuletzt des Amerikabildes

Washington. Mit einem eiskalten Lächeln schrieb er Fernsehgeschichte: Larry Hagman hat 14 Jahre lang die böseste Seite Amerikas, des Kapitalismus oder einfach des menschlichen Charakters gezeigt. Als J.R. Ewing in 350 Folgen "Dallas" wurde er in über 80 Ländern der Erde zu einem festen Bestandteil der achtziger Jahre - und nicht zuletzt des Amerikabildes. Die Rolle des Bösewichts lag ihm nun mal, wie Hagman einst dem Online-Sender AolTV.com verriet. "Denn gute Kerle haben längst nicht so viel Spaß wie Böse. Ich spiele lieber die witzigen Rollen."Zwei Daten würde er nie vergessen, hieß es dort. Den 21. November 1980, als mehr als 350 Millionen "Dallas"-Fans weltweit vor dem Fernseher saßen, um herauszufinden, wer den Ölbaron J.R. niedergeschossen hatte. Und den 23. August 1995, als er, nach jahrelangem Alkoholmissbrauch schwer erkrankt, in einer 16-stündigen Operation eine neue Leber erhielt.

Der Texaner, Sohn des Musical-Stars May Martin und eines Anwalts, begleitete nach der frühen Scheidung der Eltern seine Mutter auf Tourneen. An ihrer Seite stand er in den fünfziger Jahren in London in dem Broadway-Hit "South Pacific" auf der Bühne. Dort traf und heiratete er die schwedische Modezeichnerin Maj Axelsson, "das Beste, was mir je passierte". Das Ehepaar hat zwei Kinder. 1964 zog Hagman mit seiner Familie nach Hollywood, wo er als Astronaut Tony Nelson in der Fernsehserie "Bezaubernde Jeannie" neben Barbara Eden die Hauptrolle spielte - sein schauspielerischer Durchbruch.

Die meiste Zeit lebte Hagman abseits von Hollywood auf seiner Ranch im südkalifornischen Ojai. Das Luxusanwesen in den Küstenbergen hatte er komplett auf Solarbetrieb umgerüstet. Privat war Hagman das genaue Gegenteil seines Alter Egos, Ölbaron J.R. Ewing. Seine Stiftung fördert Kinder aus benachteiligten Familien und als strikter Nichtraucher und Organspendenempfänger setzt er sich häufig auch für solche Kampagnen ein. Und er stellte stets klar, dass er als Texaner nie ein Gefolgsmann von George W. Bush und der Republikaner gewesen sei.

Als nach zwei Jahrzehnten 2012 "Dallas" wiederbelebt wurde, war Hagman mit dabei. Apathisch saß der alte Mann im Stuhl, dem Anschein nach nicht fähig, auf die Worte seines treuherzigen Bruders Bobby zu reagieren - von wegen. Auch mit 80 war "J. R." noch so intrigant wie eh und je, nur raffinierter. Wenn es um den Sieg ging, wurde der alte Mann wieder höchst agil. Hagman starb im Kreise seiner Familie am 23. November in einem Krankenhaus in Dallas an Krebs. dpa