Ein Schuss tötet den Schützenkönig

Ein Schuss tötet den Schützenkönig

Wochenlang fiebern die Marsberger dieser Feier entgegen. Mit Kanonenböllern wird das Schützenfest traditionell eröffnet. Doch dann trifft ein Metallteil den Schützenkönig tödlich in den Bauch.

Wenn ein Prominenter stirbt, wird die Fahne für gewöhnlich auf halbmast gezogen. Im sauerländischen Städtchen Marsberg sind am Samstag allerorten Hunderte blau-weiße Schützenfahnen vorzeitig eingeholt worden. Hier ist nicht irgendein Promi gestorben, der Schützenkönig selbst ist tot. Es ist ein Drama: Das größte Fest des Jahres wird in dem 20 000-Einwohner-Ort traditionell um Punkt 12 Uhr mit einem Salutschuss aus einer historischen Kanone eröffnet. Doch in diesem Jahr geht das Ritual auf fatale Weise schief. Es böllert, das gusseiserne Kanonenrohr platzt, ein Metallteil trifft den 30-jährigen König tödlich in den Bauch.

"Wir sind alle im Schockzustand. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagt der Chef des Schützenvereins, Michael Martin . Das dreitägige Schützenfest ist abgesagt. In der verlassenen Schützenhalle steht auf der Bühne nur noch das Schlagzeug des Musikvereins.

Es sind fast 30 Grad, als sich der König, seine Königin und ihr Hofstaat kurz vor Mittag auf dem Schützenberg hoch oben über der Stadt treffen. Erst kommt eine Ansprache, dann werden die Salutschüsse abgefeuert. So will es die Tradition der Schützenbruderschaft St. Magnus, die es seit 1843 gibt.

Was dann genau geschieht, ermittelt nun die Polizei . Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Tötung. Die zwei kleinen, gusseisernen Kanonen standen auf Holzgestellen vor der Schützenhalle, wo bei gutem Wetter getanzt wird. Die Schießrohre waren gen Innenstadt gerichtet. Gezündet wurden die Kanonen nach ersten Erkenntnissen von Mitgliedern eines anderen Vereins. Der Schützenkönig stand nach Angaben des Polizeisprechers Ludger Rath in einer Gruppe mit drei, vier Leuten zusammen. Doch nur er wird von dem wegschießenden Metallteil getroffen. Das Kanonenteil fliegt dann noch durch ein Fenster der Schützenhalle.

Kurz nach dem Unfall treffen Notarzt und Polizei ein. Der 30-Jährige wird in das nahe gelegene Krankenhaus gebracht. Für die zurückbleibenden Freunde und Bekannten beginnt nun das Hoffen und Bangen. Nach über zwei Stunden kommt die traurige Gewissheit und verbreitet sich in Windeseile: Der Schützenkönig ist tot.

Vor dem vergitterten und zugeketteten Eingang der Schützenhalle stehen Kerzen, liegen Blumen und zusammengebundene Schlagzeugstöcke. Am Sonntagmorgen treffen sich die Marsberger zum Trauern in der Kirche. Es sollte eigentlich das traditionelle Schützenhochamt sein. Für Marsberg ist es ein historischer Tiefpunkt.