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Ein Reh findet bei Jägern Zuflucht

Ein Reh findet bei Jägern Zuflucht

Ellscheid. Reh Mia hält sich für einen Hund. Es lebt im Haus einer Jägerfamilie in der Vulkaneifel - und ist mit zwei Hündinnen groß geworden. Hausherrin Anita Ackermann hat Mia vor acht Monaten als Waise aufgenommen und mit Lämmermilch und Schnuller aufgezogen. Die Hunde halfen ihr: "Labradorhündin Josie hat Mia als Kind angenommen", erzählt Ackermann

Ellscheid. Reh Mia hält sich für einen Hund. Es lebt im Haus einer Jägerfamilie in der Vulkaneifel - und ist mit zwei Hündinnen groß geworden. Hausherrin Anita Ackermann hat Mia vor acht Monaten als Waise aufgenommen und mit Lämmermilch und Schnuller aufgezogen. Die Hunde halfen ihr: "Labradorhündin Josie hat Mia als Kind angenommen", erzählt Ackermann. Und Collie Luna hat das Haustier "wie eine Tante" akzeptiert. Die Folge: "Mia glaubt selbst, sie sei ein Hund."Die Decke der Reh-Dame liegt zwischen den Schlafmatten der Hunde. "Mia gehört zur Familie", sagt Krankenschwester Ackermann, die gerne auf die Jagd geht. Ein Förster hatte das Rehkitz zu den Ackermanns gebracht, nachdem Mias Mutter angefahren worden war. Die ersten Monate campierte das Reh im Wäschekorb. Heute tapst Mia mit den Hunden durch das Haus. Wenn sie mal muss, stellt sie sich vor die Haustür, bis sie hinausgelassen wird. "Nur Bellen kann sie nicht", sagt Ackermann und lacht. Einmal habe sie Mia im Keller erwischt, wie sie ihren Kopf in Hundefutter gesteckt habe. "Wenn sie anfängt, den Postboten anzuknurren, beginne ich mir Sorgen zu machen."

Normalerweise futtert die Ricke aber Gras, Getreide - und alles, was sie auf ihren Streifzügen um das Haus und den dazugehörigen Biobauernhof findet: Eicheln, Blätter und Beeren. Manchmal ist Mia stundenlang unterwegs. "Sie kommt aber immer zurück", sagt "Reh-Papa" Ernst Ackermann (53). Scheinbar fühle das Reh sich dem Haus verbunden. Anders wäre es vielleicht, wenn Mia in einem Gehege untergebracht wäre. "Da könnte es sein, dass sie weglaufen würde, wenn man das Tor aufmacht."

Dass Mia in einer Jägerfamilie lebt, macht dem Tier keine Angst. "Es ist ihr egal, ob ich im Flur ein Gewehr oder einen Regenschirm abstelle", sagt Anita Ackermann, die in ihrem Jägerleben drei Rehe geschossen hat. Auch das Büro, in dem Jagdtrophäen aus Mias Verwandtschaft hängen, beeindruckt die Ricke nicht. Das Tier sei zutraulich, wenn Jäger mit Hunden ins Haus kämen. Schließlich habe sie einen "Sonderstatus", sagt die Hausherrin. Auf Mia würde niemand schießen.

Seit Mia zu den Ackermanns gekommen ist, habe sie im Haus noch nie etwas kaputt gemacht. "Sie ist super pflegeleicht." Das perfekte Haustier also? "Nein", wehrt Ackermann ab. Ein Reh sei ein Wildtier, das in den Wald gehöre. Man dürfe nicht vergessen, dass Mias Fall ein Notfall war - und sie ohne menschliche Hilfe gestorben wäre. "Man sollte also davon absehen, nächstes Jahr Kitze als Haustiere zu sammeln."

Am Rande

Dank des Einsatzes prominenter Tierschützer wie der Schauspielerin Brigitte Bardot darf ein französisches Ehepaar sein Reh behalten, das es in seinem Haus aufgenommen hatte. Kurz vor dem Jahreswechsel gaben die Behörden grünes Licht. Das Reh lebt seit März 2010 bei Emilienne und Raymond Espiot in der Nähe von La Rochelle. Als die Behörden dem Paar das Tier wegnehmen wollten, protestierten mehrere prominente Tierschützer. afp