Ein rätselhaftes Paar

Paris. Das Buch war überfällig: "Die Strauss-Kahns", das Porträt über eines der schillerndsten, auch rätselhaftesten Paare Frankreichs. Denn wenn die Geschichte der Anne Sinclair und des Dominique Strauss-Kahn schon zu unwahrscheinlich erscheint, um wahr zu sein, so muss sie doch erzählt werden

Paris. Das Buch war überfällig: "Die Strauss-Kahns", das Porträt über eines der schillerndsten, auch rätselhaftesten Paare Frankreichs. Denn wenn die Geschichte der Anne Sinclair und des Dominique Strauss-Kahn schon zu unwahrscheinlich erscheint, um wahr zu sein, so muss sie doch erzählt werden. Das Leben selbst hat sie geschrieben, während das Buch aus der Feder von Raphaëlle Bacqué und Ariane Chemin stammt, zwei Journalisten von "Le Monde".Seit Jahren beobachteten sie den Aufstieg des ehemaligen französischen Wirtschafts- und Finanzministers und Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn. Anne Sinclair war stets mehr als die Frau an seiner Seite - erst durch ihre finanzielle und moralische Unterstützung und ihre Kontakte konnte er zur Ikone "DSK" werden, der lange der beliebteste Politiker Frankreichs mit besten Chancen auf die Präsidentschaft war. Als sie vor 20 Jahren heirateten, er zum dritten und sie zum zweiten Mal, überstrahlte sie ihn noch: eine bewunderte Fernseh-Moderatorin, deren Wochensendung Top-Einschaltquoten erzielte. Als Enkelin des großen Kunstsammlers Paul Rosenberg war sie steinreich und bestens vernetzt in intellektuellen Kreisen. Ihr Lebenswandel ist höchst luxuriös. "Es ist eine Partnerschaft, eine Allianz der Macht und des medialen Ruhms. Um zum Gipfel zu gelangen, arrangieren sie sich", sagt Autorin Bacqué. Für seine politische Karriere gab die Journalistin ihre eigene Karriere vor der Kamera auf; als Nicolas Sarkozy den brillanten Ökonomen 2007 an die Spitze des IWF nach Washington schickte, folgte ihm Sinclair und begnügte sich fortan damit, einen politischen Blog zu schreiben. Sie soll die treibende Kraft hinter der geplanten Präsidentschaftskandidatur 2012 gewesen sein, die am 14. Mai 2011 zerbarst - dem Tag, an dem ihn das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo der Vergewaltigung bezichtigte. Zwar wurde die Anklage schließlich fallengelassen, doch folgten weitere Vorwürfe. Derzeit laufen Ermittlungen wegen eines Prostitutionsskandals; seine Vorliebe für freizügige Sexpartys und -Clubs sind längst hinlänglich bekannt. Trotz all der Enthüllungen tritt Anne Sinclair stolz und demonstrativ weiter neben ihm auf. "Wir lieben uns wie am ersten Tag", hatte sie bereits 2008 verkündet, als seine Affäre mit einer IWF-Mitarbeiterin aufflog. "Es ist ein Paar, das seine eigene Legende aufgebaut hat, für die anderen und vielleicht auch für sich selbst", meinen die Autorinnen.

Anne Sinclair muss die gefährliche Leidenschaft ihres Mannes gekannt, sie aber unterschätzt haben - wie sein Netz aus Beratern, das ihn schützte und die unglaublichen Risiken erst möglich machte, die er einging. Und wie so manche politische Weggefährten, darunter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Er soll in schallendes Gelächter ausgebrochen sein, als die Polizei DSK in flagranti im Bois de Boulogne erwischte, dem Pariser Park mit zweifelhaftem Ruf. Doch Sarkozy deckte Strauss-Kahn - mit dieser Achillesferse, das wusste er, würde ihm der Sozialist nie gefährlich.

 Trotz aller Affären: Anne Sinclair hält fest zu ihrem Mann, dem ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Foto: Gombert/dpa
Trotz aller Affären: Anne Sinclair hält fest zu ihrem Mann, dem ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Foto: Gombert/dpa

Auch der jetzige Präsident François Hollande kannte dessen Schwäche für Frauen - ebenso wie Hollandes Lebensgefährtin Valérie Trierweiler, wie eine Anekdote erzählt. "Wie geht es der schönsten Journalistin von Paris?", sprach DSK vor Jahren die einstige Reporterin bei einer Parlamentssitzung an. Ihre Antwort fiel trocken aus. "Die schönste Journalistin, ich dachte, das sei Anne Sinclair."