Ein Prada tragender Teufel? – „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour wird an Sonntag 70

Mode : Ein Prada tragender Teufel? – „Vogue“-Chefin Wintour wird 70

Die große dunkle Sonnenbrille setzt Anna Wintour nur ganz selten ab. „Sie ist unglaublich hilfreich, denn man kann verhindern, dass Menschen wissen, worüber man gerade nachdenkt“, sagte die Chefin der US-Modezeitschrift „Vogue“ einmal in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Zur Sonnenbrille gehören der akkurat geschnittene braune Bob mit Stirnfransen und ein Haute-Couture-Kleid – und sofort würden wohl selbst Menschen, die sich nicht für die Mode-Branche interessieren, Wintour auf der Straße wiedererkennen. „Schon ihre Frisur ist aus dem Weltall sichtbar“, witzelte jüngst der britische Guardian. Von all dem Interesse an ihrem Aussehen hält Wintour, die an diesem Sonntag 70 Jahre alt wird, selbst allerdings nicht so viel. Es sei keine „strategische Entscheidung“ gewesen. „Ich habe mich einfach gut damit gefühlt, das war alles. Ich bin ein Gewohnheitstier.“ Aber die 1949 in London als Tochter eines Zeitungsherausgebers geborene Wintour stellt auch klar: „Ich arbeite nicht für Anna Wintour. Ich arbeite für den Condé-Nast-Verlag. Ich habe keine eigenen Social-Media-Plattformen oder suche nach persönlicher Anerkennung.“

Bei ihrer Arbeit hat Wintour spätestens seit dem Erfolgsfilm „Der Teufel trägt Prada“ von 2006, in dem Meryl Streep eine unverkennbar auf Wintour basierte Magazin-Chefredakteurin spielt, den Ruf einer teuflisch-fiesen Chefin weg, die ständig das Unmögliche will und keinerlei Fehler verzeiht. Auch das ist ein Baustein der Marke geworden – und sie trägt es mit Fassung. „Manchmal gibt es da eine bestimmte Art von persönlicher Kritik gegen mich, die wahrscheinlich ein Mann in meiner Position nicht abbekommen würde“, sagt die Mode-Ikone. Seit 1988 ist Wintour, die zwischen 1984 und 1999 mit dem Kinderpsychologen David Shaffer verheiratet war und mit ihm einen Sohn und eine Tochter hat, schon Chefredakteurin der „Vogue“. Die Magazinwelt hat sich währenddessen komplett verändert. „Bei meinem ersten Job als junges Mädchen in Großbritannien war es eine tolle Sache, wenn wir 90 000 Menschen erreicht haben. Jetzt haben wir etwa 22 Millionen Fans auf dem Instagram-Account der US-,Vogue’.“ Gleichzeitig sinken allerdings die Print-Auflagen von vielen Magazinen immer weiter, Werbeeinnahmen brechen weg. Journalisten müssten heutzutage Standpunkte beziehen, davon ist Wintour überzeugt. „Die Menschen wollen wissen, woran du glaubst und wofür du stehst. In dieser Zeit der Fake News, wo Wahrheit, Werte und die Unterstützung Bedürftiger so wenig angesehen werden, haben wir eine moralische Pflicht für das einzustehen, was richtig ist.“ Wintours Standpunkt ist dabei entschieden auf Seiten der Demokraten.

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