Ein Exempel aus Berlin

Meinung:

Ein Exempel aus Berlin

Von SZ-Korrespondent Werner Kolhoff

Das Video aus dem Berliner U-Bahnhof Hermannplatz hat bundesweit Entsetzen hervorgerufen. Denn die Tat steht exemplarisch für das Ausmaß an Verrohung im öffentlichen Raum. Das Entsetzen gilt aber auch der Tatsache, dass die Berliner Staatsanwaltschaft die Fahndung ursprünglich gar nicht beabsichtigt hatte, weil nach ihrer Auffassung nämlich nichts besonders Schlimmes passiert war.

Nun gilt es ein Exempel zu statuieren, bevor sich die ganze Gesellschaft an derartige Vorkommnisse gewöhnt. An dem flüchtigen Bulgaren, für alle anderen Gewalttäter dieser Art. Man muss ihn finden und vor Gericht stellen. Aber auch an der Staatsanwaltschaft selbst. Sie sollte gar nicht erst auf die Idee kommen, auf ein Rechtshilfeersuchen zu verzichten oder Ausreden zu finden, warum man die Mittäter nicht auch belangen könnte. Wenn doch, wäre in Berlin mehr kaputt gegangen als nur ein Armknochen. Nämlich das Vertrauen darauf, dass die Menschen mit der Gewalt da draußen nicht allein gelassen werden. Der neue Berliner Justizsenator steht vor einer ersten, großen Führungsaufgabe.