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Dioxin-Skandal weitet sich aus

Dioxin-Skandal weitet sich aus

Hannover/Erfurt. Mit Dioxin verseuchtes Futter ist an hunderte Betriebe in mehreren Bundesländern verkauft worden. Nach ersten Funden in Nordrhein-Westfalen wurden gestern allein in Niedersachsen rund 1000 Legehennen-Farmen, Schweine- und Putenzuchtbetriebe gesperrt. Ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover sagte: "Wir legen erstmal alles still. Der Verbraucherschutz geht vor

Hannover/Erfurt. Mit Dioxin verseuchtes Futter ist an hunderte Betriebe in mehreren Bundesländern verkauft worden. Nach ersten Funden in Nordrhein-Westfalen wurden gestern allein in Niedersachsen rund 1000 Legehennen-Farmen, Schweine- und Putenzuchtbetriebe gesperrt. Ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover sagte: "Wir legen erstmal alles still. Der Verbraucherschutz geht vor." Auch in Sachsen-Anhalt wurden Betriebe gesperrt. In Thüringen wurde bekannt, dass eine Schweinezuchtanlage 52 Tonnen belastetes Futter von einem Werk aus Sachsen-Anhalt bekommen und komplett verfüttert hat. Die damit versorgten Ferkel seien bereits verkauft, teilte das Agrarministerium in Erfurt mit. Wohin, müsse nun geklärt werden. Zwei sächsische Agrarbetriebe erhielten möglicherweise ebenfalls mit Dioxin verseuchtes Futter.In Nordrhein-Westfalen wurden 8000 Legehennen getötet, die mit Dioxin verseuchtes Futter gefressen hatten. Die Tiere einer Hühnerfarm im Kreis Soest sollten nach Auskunft des Kreisveterinärs Wilfried Hopp verbrannt werden. Er rechnet damit, dass etwa 120 000 dioxinbelastete Eier des Betriebes in den Verkauf gelangt sind.

Staatsanwalt ermittelt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht aber bisher keine Gefahren für Verbraucher. "Eine akute Gesundheitsgefahr besteht nicht", sagte ein Sprecher. Bei einmaligem Verzehr sei nicht mit Gefahren zu rechnen. Der nordrhein- westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) warnte jedoch: "Mittel- und langfristig sind gesundheitliche Schädigungen durch den Verzehr dioxinbelasteter Lebensmittel nicht auszuschließen." Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums erklärte: "Entscheidend ist, dass verunreinigtes Futter sichergestellt wird und belastete Produkte nicht in den Handel gelangen."

Die Behörden wollten weiter die Vertriebswege analysieren, auf denen mit Dioxin verseuchtes Fett zu Futtermittel-Herstellern und schließlich zu Hühnerfarmen und anderen Betrieben gelangt ist. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe nahm Ermittlungen auf. "Wir prüfen, ob eine Straftat vorliegt", sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass das Dioxin von einem Biodiesel-Hersteller im niedersächsischen Emden stammt. Er hatte dem schleswig-holsteinischen Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch nach dessen Angaben belastete Fettsäure geliefert, die weitergereicht und zu Futtermittel verarbeitet wurde.

Experten ratlos

Fachleute fanden zunächst keine Erklärung für die Dioxin-Belastung, da das Gift bei der Herstellung von Pflanzenkraftstoffen normalerweise gar nicht entsteht. "Wie da Dioxin hineinkommt, ist mir unerklärlich", sagte der Bioenergie-Experte der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, Dietmar Kemnitz. dpa