"Die Koalition der Klimakiller"

Berlin. Durchschnittlich 130 Gramm des umweltschädlichen CO2 sollen Autos pro Kilometer noch ausstoßen. So hat es die EU für 2012 unter Beteiligung deutscher Politiker festgelegt. Für sich selbst lassen die Volksvertreter allerdings andere Maßstäbe gelten. Weder die Bundes- noch die allermeisten Landesminister gehen mit gutem Beispiel voran

 Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fährt einen BMW 740d mit 306 PS. Foto: Getty

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fährt einen BMW 740d mit 306 PS. Foto: Getty

Berlin. Durchschnittlich 130 Gramm des umweltschädlichen CO2 sollen Autos pro Kilometer noch ausstoßen. So hat es die EU für 2012 unter Beteiligung deutscher Politiker festgelegt. Für sich selbst lassen die Volksvertreter allerdings andere Maßstäbe gelten. Weder die Bundes- noch die allermeisten Landesminister gehen mit gutem Beispiel voran. Nach einer Erhebung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) lassen sie sich fast durchweg in übermotorisierten Dienstkarossen durchs Land chauffieren. "Kein Dienstwagen der Bundesminister, deren Daten erhoben wurden, schafft den EU-Zielwert", erklärte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Von den Bundesministern nutzt ausgerechnet Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) den dicksten Schlitten: einen BMW 740d mit 306 PS und 183 Gramm CO2-Ausstoß. Am oberen Limit liegt auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Sein Audi A8 bringt es auf einen Schadstoffausstoß von 176 Gramm.Lediglich fünf Landespolitiker aus Hamburg, Bremen und Brandenburg blieben mit ihrem Dienstwagen unter der 130-Gramm-Grenze. Dagegen überschreiten zwölf Landesminister und acht der 16 Ministerpräsidenten den EU-Zielwert um mindestens die Hälfte. Zu den größten Umweltsündern zählt Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU), dessen 500 PS starker Audi A8 auf einen CO2-Ausstoß von 277 Gramm pro Kilometer kommt. Laut DUH verweigerte Bouffier zunächst die Herausgabe der Information. Erst nachdem die DUH vor Gericht eine Klage angestrengt hatte, lenkte er ein.

Der Widerspruch zwischen Wort und Tat ist freilich nicht nur in der Union beheimatet. Auch die Dienstkarossen von NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) und ihrem rheinland-pfälzischen Partei- und Amtskollegen Kurt Beck bringen es auf 277 beziehungsweise 204 Gramm CO2. Resch sprach deshalb von einer "großen Koalition der Klimakiller". Dass es auch anders geht, zeigt die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg. Sie rüstete auf spritsparende Modelle um und senkte so den CO2-Ausstoß im Vergleich zur schwarz-gelben Vorgänger-Regierung von 224 auf jetzt 168 Gramm. Natürlich machten die Politiker-Limousinen "den Kohl nicht fett", so DUH-Sprecher Gerd Rosenkranz. "Aber es geht um eine Vorbildfunktion."

Hintergrund

 Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fährt einen BMW 740d mit 306 PS. Foto: Getty

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fährt einen BMW 740d mit 306 PS. Foto: Getty

Peter Jacoby, saarländischer Finanzminister (CDU), hat an seinem letzten Tag im Amt für seinen Dienstwagen (199 Gramm CO2) die Rote Karte von der Deutschen Umwelthilfe erhalten. Der Wagen von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) landete im Vergleich der Landeschefs mit einem CO2-Ausstoß von 193 Gramm pro Kilometer auf Rang 7. noe

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort