Die große Bartfrage

Ist der Vollbart männlich, sexy und hip oder doch bloß nachlässig bis kratzig? Bartträger müssen mit gespaltenen Reaktionen leben. George Clooney wird gar beschuldigt, einem Unternehmen den Gewinn zu verderben.

George Clooney versaut ihm das Geschäft, findet der britische Unternehmer Will King. Eigentlich weniger der Hollywood-Schauspieler selbst als sein Vollbart. Der ist nämlich gerade so im Trend, dass dem Chef des Unternehmens "King of Shaves" die Gewinne einbrechen. Im vergangenen Jahr hätte er wegen des Wahns um "Prominenten-Bärte" weniger Umsatz gemacht. George Clooney ist nicht der einzige berühmte Bartträger. Vollbart ist Trend. Superstars wie Brad Pitt, Ashton Kutcher, Jared Leto und Pierce Brosnan oder Coldplay-Sänger Chris Martin: Sie alle setzen auf das haarige Accessoire. Sogar Leonardo DiCaprio sieht durch seinen Stoppel-Look erwachsener aus. Kein Wunder also, dass nach der Verleihung der Golden Globes die Stylistin des Hollywoodschauspielers Michael Fassbender sofort das Geheimnis hinter seinem perfekten Bart verriet. Den hatte der Preisträger stolz auf dem roten Teppich spazieren getragen. Der Clou: viel Schlaf, viel Feuchtigkeitscreme, viel Hautpflege. Also Arbeit und Eitelkeit statt Gleichgültigkeit und Faulheit am Morgen? Im weiblichen Umfeld aber scheiden sich derweil die Geister, wenn es um bärtige Männer geht. Ungepflegt? Kratzig? Männlich? Sexy? Waren Vollbärte lange Zeit ein Merkmal von Rebellen und Individualisten, gibt es heute kaum noch ein In-Viertel in großen Städten, in dem die Cafés und Bars nicht voller Bartträger sind. Gerade als der Trend im vergangenen Jahr schon totgesagt wurde, tauchten die Hipster und Szenebewussten wieder in Röhrenjeans und Vollbart auf, sowohl in London, New York oder in Berlin. Die Intellektuellen tragen ihn sowieso, immerhin wird vor allem die Rauschebart-Variante noch immer mit Weisheit in Verbindung gebracht.

Modedesigner schicken seit einiger Zeit unrasierte Männermodels auf den Laufsteg und mittlerweile ist die Lässigkeit des Barts offenbar auch in der Mitte der Männergesellschaft angekommen. Bei diesen Herren handelt es sich jedoch meist tatsächlich um frühmorgendliche Bequemlichkeit.

Vor Kurzem zeigte sich sogar Prinz Harry von seiner Hipsterseite, indem er mit rötlichem Vollbart in der Öffentlichkeit auftauchte. Das ging trotz allem Modebewusstsein sogar dem britischen Königshaus zu weit. Queen Elizabeth II. verdonnerte ihren Enkel zur Rasur, "lieber früher als später", wie sie gesagt haben soll. Männer mit Stoppeln im Gesicht mag die Königin offenbar nicht. Damit hat sie etwas gemeinsam mit dem Unternehmer Will King. Der sollte sich vielleicht mehr auf Trimmer konzentrieren. Deren Verkaufszahlen, so ist überliefert, sind seit einiger Zeit hervorragend.

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