Die Grippewelle rollt

Am Wochenende sollen auch im Saarland die Temperaturen wieder unter den Gefrierpunkt sinken, mit Schneeschauern ist ebenfalls zu rechnen. Mit der kalten Luft steigt auch die Zahl der Erkältungen und Grippefälle.

Bloß nicht ohne Mütze oder gar mit nassen Haaren in die Kälte! Dem Volksmund nach kann ein kalter Kopf Krankmacher sein - wer sich nicht warm genug angezogen hat, trägt demnach selbst Schuld für triefende Nase, Fieber und Husten. Drohen angesichts des aktuellen Wintersturmtiefs mit klirrender Kälte nun auch mehr Erkältungen und Grippefälle in Deutschland? Zwar macht Kälte allein Experten zufolge nicht unbedingt krank - irrelevant sind die Temperaturen aber nicht.

Denn Viren haben bei Kälte leichteres Spiel. Grippeviren beispielsweise überlebten länger in der äußeren Umgebung, je trockener und kälter es ist, sagt Silke Buda vom Robert- Koch-Institut (RKI). Allerdings ist die Grippewelle dieses Winters unabhängig von der aktuellen Kälte losgerollt: Experten sehen den Beginn einige Wochen früher als in den vergangenen beiden Saisons, und zwar kurz vor Weihnachten 2016. Bei rund 2600 Menschen haben Laboruntersuchungen nach Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI von Beginn der Welle bis Anfang Januar eine Grippeerkrankung bestätigt.

Betroffen sind demnach bislang ältere Menschen insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen. Gemeldet wurden mehrere Ausbrüche in Krankenhäusern in verschiedenen Bundesländern - und neun Todesfälle, davon acht bei Menschen ab 60 Jahren. Buda will die aktuelle Situation nicht überbewerten, aber sie betont: "Wir haben da schon ein Auge drauf. Ein besorgtes."

Im Saarland sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Anfang Dezember neun Grippefälle gemeldet worden. Bayern ist dagegen bisher ein Schwerpunkt des Geschehens. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU ) weist darauf hin, dass eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sei. "Grippe ist keine harmlose Erkältung", warnt sie. Erkältungen entwickeln sich schleichend, eine Grippe schlägt dagegen schnell und hart zu, informiert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Grippe wirke sich mehr auf den ganzen Körper aus. Kein Appetit, starke Müdigkeit und hohes Fieber seien typisch. Nachweislich seien die oberen Atemwege bei kalter Luft anfälliger, erläutert die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Erika Baum. Gerade Kinder könnten zudem über den Kopf recht schnell auskühlen, da er bei ihnen verhältnismäßig groß und dünn behaart sei. Wenn der Körper auskühlt, werden einige Funktionen heruntergefahren, darunter auch die Abwehr. Baum verweist zudem darauf, dass kalte oder nasskalte Füße zu Blasenentzündungen führen können.

Letztlich seien es viele jahreszeitliche Faktoren, die die Ausbreitung von Atemwegserkrankungen wie Grippe und Erkältungen beeinflussten, erklärt RKI-Expertin Buda: "Temperatur, Wetter und Luftfeuchtigkeit spielen zwar mit eine Rolle, aber nicht die entscheidende." Der Impfschutz in der Bevölkerung, die Neuheit einer Virenvariante und auch das Immunsystem des Einzelnen hätten beispielsweise Einfluss. Zudem halten sich die Menschen im Winter eher in geschlossenen, beheizten Räumen auf, was die Schleimhäute austrocknen kann. Wo sich viele Menschen aufhalten, kommt es zudem eher zu Ansteckungen.