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Die bittere Suche nach Antworten

Die bittere Suche nach Antworten

London. Es scheint ein Fall ins Bodenlose und ein Ende ist nicht in Sicht: Seit Wochen kommen im Kinderschänder-Skandal um den früheren BBC-Moderator Jimmy Savile fast täglich neue schockierende Details ans Licht. 300 mutmaßliche Opfer haben sich bisher gemeldet, mehr als 400 Ermittlungsstränge werden verfolgt. Neben dem 2011 verstorbenen Savile gibt es mittlerweile weitere Verdächtige

London. Es scheint ein Fall ins Bodenlose und ein Ende ist nicht in Sicht: Seit Wochen kommen im Kinderschänder-Skandal um den früheren BBC-Moderator Jimmy Savile fast täglich neue schockierende Details ans Licht. 300 mutmaßliche Opfer haben sich bisher gemeldet, mehr als 400 Ermittlungsstränge werden verfolgt.Neben dem 2011 verstorbenen Savile gibt es mittlerweile weitere Verdächtige. Manche sprechen bereits von einem ganzen Pädophilen-Ring. Erst am Wochenende wurde der 70er-Jahre-Popstar Gary Glitter festgenommen.

Die BBC muss sich ihrer Vergangenheit stellen, noch in jüngerer Zeit sollen schwere Fehler passiert sein. "Kann es wirklich sein, dass niemand wusste, was er getan hat?", fragte der Vorsitzende des BBC-Aufsichtsgremiums, Chris Patten, am Sonntag in der Zeitung "Mail on Sunday". "Haben manche die Augen vor kriminellen Handlungen verschlossen?" Klare Antworten auf diese Frage gibt es noch nicht, dafür die Furcht davor, welche weiteren Ausmaße der Fall annehmen könnte.

Einst war Jimmy Savile eine Art Volksheld. In den 60er und 70er Jahren wurde er als DJ und Moderator der BBC-Musiksendung "Top of the Pops" berühmt. Später präsentierte er die Familiensendung "Jim'll Fix It". Savile machte sich zudem als Spendensammler einen Namen, besuchte Krankenhäuser und Schulen. Als er im vergangenen Jahr mit 84 Jahren starb, kamen Tausende zu seiner Beerdigung.

Dann ließ Anfang Oktober dieses Jahres eine TV-Dokumentation erstmals mutmaßliche Opfer von Savile sprechen. Der Skandal kam ins Rollen, die Nation war geschockt. Über Jahrzehnte soll er vor allem junge Mädchen und einige Jungen sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass schon zu Saviles Lebzeiten mindestens sieben Missbrauchs-Fälle bei der Polizei gemeldet worden waren. Unternommen wurde nichts. Eine Hilfsorganisation soll ihn von ihren Spendensammel-Aktionen ausgeschlossen haben.

Auch bei der BBC sollen manche über Saviles dunkle Seite Bescheid gewusst haben. Nicht selten wurde darauf in den vergangenen Wochen das Argument bemüht, die Zeiten seien damals einfach andere gewesen. Genau diese angeblich andere "Kultur" am Arbeitsplatz und auch in der Gesellschaft insgesamt will die BBC nun in einer Untersuchung unter die Lupe nehmen. Angeblich soll auch Entwistles Vorgänger Mark Thompson, der im November als Chef der "New York Times" antritt, etwas gewusst haben. Er weist den Vorwurf zurück.

 Jahrelang soll BBC-Moderator Jimmy Savile Kinder missbraucht haben. Foto: Parnaby/dpa
Jahrelang soll BBC-Moderator Jimmy Savile Kinder missbraucht haben. Foto: Parnaby/dpa

Der Sender sucht nach Antworten, die Ermittler nach weiteren Tätern. Das Wichtigste sei, festzustellen "wer von den Involvierten noch lebt", sagte Justizminister Chris Grayling. Diese Leute müssten für schuldig befunden und bestraft werden. "Das ist jetzt das Allerwichtigste." dpa