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Der verhinderte Überflieger

Der verhinderte Überflieger

Ein 38-Jähriger verklagt die Universität Oxford wegen der schlechten Qualität der Lehre. Er fordert das Geld ein, das er mit einem besseren Abschluss verdient hätte. Es geht um einen Kurs vor 16 Jahren.

Schon in jungen Jahren sah sich Faiz Siddiqui weit oben auf der Karriereleiter stehen. Der Erfolg schien unausweichlich: Der Brite besuchte die Elite-Universität Oxford, studierte moderne Geschichte und bezahlte sehr viel Geld für seine Ausbildung. Doch ausgerechnet ein Kurs soll ihm alle Zukunftshoffnung zunichte gemacht haben. Das jedenfalls behauptet Herr Siddiqui.

In jenem Seminar wurde Indien in der Kolonialgeschichte des Empires abgehandelt. Ob es hierbei um die Sünden der ehemaligen britischen Herren ging, ist nicht überliefert. Dafür aber, dass die Lehre laut Siddiqui sowohl "langweilig" als auch "erbärmlich schlecht" gewesen sei. Er erhielt eine schwache Note. Nun könnte man meinen, dass jeder Mensch Anekdoten von mittelprächtigem Unterricht zu erzählen hat, doch Siddiqui findet die Erinnerung alles andere als witzig. Die Versäumnisse der Geschichte Indiens als britische Kolonie beschäftigen ihn seit 16 Jahren. So lange nämlich ist die ganze Sache her.

Nun aber soll sein Leid endlich ein Ende nehmen. Der 38-Jährige verklagt die Universität von Oxford. Grund: Die schlechte Note, die aus der unzureichenden Betreuung resultierte und die den Durchschnitt seines Abschlusses nach unten gezogen hat, habe ihm eine anschließende erfolgreiche Karriere als internationaler Wirtschaftsanwalt verbaut. Hier muss erwähnt werden, dass Siddiqui als Anwalt arbeitet, aber er dürfte nicht zu den Überfliegern gehören, in deren Kreisen er sich gerne bewegen würde. Und das alles wegen Indien? Der Brite fordert mindestens eine Million Pfund. Diese Summe sei ihm letztlich entgangen, wie sein Anwalt Roger Mallalieu ausführte. Zudem leide Siddiqui unter Depressionen und Schlaflosigkeit - seiner Meinung nach ebenfalls eine Folge des nur mittelmäßigen Studienabschlusses im Jahr 2000.

Das alles wirkt für Deutsche wie eine Posse. In Großbritannien ist die Lage jedoch eine andere. Hier verstehen sich Universitäten auch als Unternehmen. Die Ausbildung, gerade an renommierten Hochschulen wie in Oxford oder Cambridge, kostet so viel wie ein Eigenheim in Spitzenlage. Für all den finanziellen Aufwand verlangen die Studenten entsprechende Dienstleistungen. Und während manche mit einem Schmunzeln die jetzige Rechtsstreitigkeit verfolgen, herrscht Nervosität in den altehrwürdigen Akademien des Königreichs. Mit der gerichtlichen Auseinandersetzung könnte ein Präzedenzfall geschaffen werden und dann dürfte eine Flut von Klagen über die akademische Welt hereinbrechen.