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Der Todesschütze schweigt

Der Todesschütze schweigt

München/Dachau. Der Todesschütze aus dem Amtsgericht von Dachau schweigt zu seiner Tat. Seine Schüsse haben gestern eine Debatte um die Sicherheit in Justizgebäuden neu entfacht. Der Mann soll sich im Prozess zwar aggressiv verhalten haben. Dass er eine Waffe bei sich trug, mit der er den 31 Jahre alten Staatsanwalt erschoss, war keinem aufgefallen

München/Dachau. Der Todesschütze aus dem Amtsgericht von Dachau schweigt zu seiner Tat. Seine Schüsse haben gestern eine Debatte um die Sicherheit in Justizgebäuden neu entfacht. Der Mann soll sich im Prozess zwar aggressiv verhalten haben. Dass er eine Waffe bei sich trug, mit der er den 31 Jahre alten Staatsanwalt erschoss, war keinem aufgefallen.Die Münchner Staatsanwaltschaft hat bei Gericht Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Der 54-Jährige schweigt nach Auskunft von Oberstaatsanwältin Andrea Titz. Er wird psychiatrisch begutachtet. "Wir haben aber bisher keine Hinweise auf psychiatrische Leiden", sagte Titz.

Der Mann war am Mittwoch unter anderem wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er sei mit dem Richterspruch nicht einverstanden gewesen, sagte Staatsanwältin Titz. Während der Urteilsbegründung soll der nach einem Schlaganfall körperlich angeschlagene Mann eine Pistole gezogen und mehrere Schüsse abgefeuert haben. Woher er die Waffe vom Kaliber 6,35 hatte - er besaß sie illegal - ist unklar.

"Wir gehen davon aus, dass ein Schuss zumindest in Richtung der Richterbank gegangen ist", sagte Titz. Zwei Schüsse trafen den 31-jährigen Staatsanwalt. Eine Kugel ging ins Handgelenk, dann in die Hüfte, die zweite in die Schulter. Der Jurist starb trotz einer Notoperation im Krankenhaus. Der Staatsanwalt, der erst seit 2011 als Ankläger im Staatsdienst war, lebte in München und hinterlässt seine Frau.

Der Todesschütze ist in dem gegen ihn geführten Verfahren als "verbal aggressiv und gereizt" aufgefallen, sagte Thomas Dickert, Ministerialdirigent im bayerischen Justizministerium. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte gestern einen Justizbeamten mit den Worten: "Ich hab's gewusst, dass was passieren wird."

Während Gewerkschaften und Strafverteidiger strengere Kontrollen in Gerichtssälen fordern, hält Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) die bestehenden Sicherheitsbestimmungen für ausreichend. Auch die Polizeigewerkschaft hält generell verstärkte Kontrollen für überzogen. Allerdings brächten kleine Maßnahmen wie eine Abgabepflicht für Jacken mehr Sicherheit, sagte der bayerische Landesvorsitzende Hermann Benker.

Eine Frau Blumen vor das Amtsgerichts. Foto: Gebert/dpa

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hingegen forderte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen: "Es wird Zeit, dass endlich auch in den Amtsgerichten Sicherheitsschleusen aufgestellt werden", sagte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut. In Justizgebäuden setze sich "eine Tendenz zur Verrohung fort, die unsere Polizistinnen und Polizisten in ihrem täglichen Einsatz auf den Straßen erleben müssen".