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Der Schuss aus der Dunkelheit

Der Schuss aus der Dunkelheit

Janina feiert mit Freunden in der Silvesternacht 2015/2016 auf der Straße. Bis das Mädchen jäh durch eine Kugel niedergestreckt wird. Trotz einer Notoperation stirbt das Kind. Der Täter bestreitet jeden Vorsatz.

Draußen feiern die Menschen Silvester , in seinem Haus aber steigt Rudolf E. in seinen Keller. Er geht zu seinem Waffenschrank, füllt Patronen in seinen Revolver, geht in den Garten und feuert. Drei- oder viermal. Er kehrt zurück ins Haus, reinigt die Waffe und schläft ein. So beschreibt der Schütze das Geschehen beim Prozessauftakt am Mittwoch vor dem Landgericht Bamberg . Der Vorwurf: Mord . Denn eine der Kugeln trifft ein elf Jahre altes Mädchen in den Hinterkopf. Es stirbt. Sie hieß Janina. Mit drei anderen Mädchen und zwei Frauen hatte sie im unterfränkischen Dorf Unterschleichach ins neue Jahr gefeiert. Gegen 1.00 Uhr trifft Janina die Kugel. Eine mehrstündige Notoperation kann sie nicht mehr retten.

Der Prozess, der ihren Tod aufklären soll, beginnt am Geburtstag des Angeklagten. 54 Jahre wird der Mann, ein gelernter Maurer, der zuletzt als Fahrer für eine Justizvollzugsanstalt arbeitete. Vier Waffen hatten Polizisten bei dem Schützen sichergestellt. "Besser wär's gewesen, ich hätte den Scheiß verkauft", sagt der Angeklagte vor Gericht. Früher habe er im Krieger- und Soldatenverein regelmäßig geschossen. Seit Jahren aber schieße er gar nicht mehr, auch nicht in der JVA. Dort hätte er eigentlich regelmäßig das Schießen üben sollen, aber er wollte das nicht, sagt er vor Gericht. Seine Hände zitterten zu sehr. Janinas Mutter schüttelt den Kopf.

Der Mann ist krank, er hat Magen- und Lungenoperationen hinter sich. Starke Schmerzmittel, Schlaftabletten und ein Antidepressivum sind seine täglichen Helfer. Das Zittern läge an den Nerven, sagt er. Am Silvesterabend vor knapp einem Jahr ist er allein. Sein 15-jähriger Sohn lebt bei der Mutter, das Paar hatte sich 2010 getrennt. Musiksendungen habe er sich an dem Abend angesehen, sagt er, dann sei er auf der Couch eingeschlafen. Als er aufwacht, kracht es draußen. Es ist ja Silvester .

Was ihn dazu gebracht habe, zu schießen, wisse er nicht. Knapp ein Jahr nach der Tat bestreitet er jede Tötungsabsicht. Nein, er habe damals nicht bewusst in Richtung von Menschen geschossen, beteuert er in einer Erklärung, die sein Anwalt für ihn verliest. Vielmehr habe er Richtung Wald gezielt. Es verfolge ihn, sagt der Angeklagte dann selbst. Er könne nicht mehr schlafen, die Tat habe sich im Kopf festgefressen. Der Staatsanwalt sieht das anders. Als Rudolf E. schoss, habe er bewusst darauf geachtet, von der Straße aus nicht gesehen zu werden. Janina habe nicht mit einem Angriff rechnen können. Die Anklage geht von Heimtücke und niederen Beweggründen aus. Dass das Mädchen sterben würde, habe der Mann zumindest billigend in Kauf genommen. Das könnte für ihn lebenslange Haft bedeuten.