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Der Mörder war der Gärtner - oder nicht?

Der Mörder war der Gärtner - oder nicht?

Montpellier. Die britische Krimi-Autorin Agatha Christie hätte sich die Handlung nicht besser ausdenken können: Der Mörder ist der Gärtner, ein Adeliger hilft ihm bei der Tat, der Ehemann des Opfers spielt eine zwielichtige Rolle und die Tatwaffe liegt im Fluss

Montpellier. Die britische Krimi-Autorin Agatha Christie hätte sich die Handlung nicht besser ausdenken können: Der Mörder ist der Gärtner, ein Adeliger hilft ihm bei der Tat, der Ehemann des Opfers spielt eine zwielichtige Rolle und die Tatwaffe liegt im Fluss. Drei Jahre nach dem Mord an Bernadette Bissonnet, der Frau eines Geschäftsmannes, muss ein Gericht im südfranzösischen Montpellier nun heute oder morgen sein Urteil fällen. Trotz des Geständnisses des Gärtners dürfte dies nicht leicht sein.Méziane Belkacem, der in der Villa des Ehepaars Bissonnet gelegentlich Hilfsarbeiten in Haus und Garten erledigte, gab den Mord bereits zu. Sein Gehilfe war der verarmte Graf Amaury d'Harcourt, der nach eigenen Angaben die Tatwaffe im Fluss verschwinden ließ. Beide behaupten, den Mordauftrag von Jean-Michel Bissonnet erhalten zu haben, einem pensionierten Geschäftsmann, der durch Büroimmobilien reich wurde. Der 63-Jährige sei von seiner fünf Jahre jüngeren Gattin "genervt" gewesen und habe für die Tat 30 000 Euro geboten. Dadurch habe er eine Scheidung und den Verlust der gemeinsamen Villa vermeiden wollen.

Es war Jean-Michel Bissonnet, der nach eigenen Angaben seine Frau am Abend des 11. März 2008 leblos und blutüberströmt in der Villa fand. "Mein Leben lang wird mir dieses Bild vor Augen bleiben", sagt der Angeklagte Bissonnet während des Prozesses. Dass er seine Frau Bernadette umbringen ließ, streitet er vehement ab. Sie hätten ein "traumhaftes Leben" gehabt. "Ich habe niemals, niemals, niemals Bernadettes Tod gewollt. Sie fehlt mir jeden Tag", versichert er unter Tränen seinen beiden Söhnen.

Florent und Marc Bissonnet stehen hinter ihrem Vater. Seine Eltern seien "füreinander geschaffen" gewesen, sagt der 30-jährige Florent.

Ebenso wie sein Vater glaubt Marc Bissonnet, dass Amaury d'Harcourt hinter dem Mord steht. Der 85-Jährige sei ein Lügner, sagte er. Jean-Michel Bissonnet ist sogar davon überzeugt, dass der Adlige, der ihm jahrelang ein väterlicher Freund war, die Todesschüsse abgab und nicht sein Gärtner. "D'Harcourt hat bereits hunderte Wildschweine erschossen, für ihn ist Schießen ganz normal", sagt der Angeklagte. Der Graf habe genauso wie sein Gärtner Belkacem finanzielle Probleme gehabt. Beide hätten versucht, in die Villa einzubrechen und dabei seine Frau erschossen.

Doch auch Bissonnets Aussagen sind nicht über alle Zweifel erhaben. Immerhin telefonierte er laut Gericht zwei Tage vor dem Verbrechen fünf Minuten lang mit seinem adligen Freund, obwohl er ein solches Telefonat bestritten hatte. Und erst ein halbes Jahr nach der Tat fiel ihm wieder ein, dass der Graf ihn um 30 000 Euro gebeten habe - neben den 15 000 Euro, die er ihm bereits schuldete. Seine Frau soll sich der finanziellen Hilfe widersetzt haben.

Der Bruder der ermordeten Bernadette Bissonnet beschuldigt den Ehemann der "unerträglichen Lüge". Die Gerichtspsychiater bescheinigen dem 63-Jährigen ein "egozentrisches" Verhalten.

Das Gericht steht nun vor der schweren Aufgabe, ein Urteil in einem Fall zu finden, in dem am Ende des Prozesses alles genauso verworren ist wie am Anfang. Und den vielleicht nur Agatha Christies Heldin Miss Marple aufklären könnte.