Der mit der Kuh tanzt

Moutier · Sollen Kühe und Ziegen ihre Hörner behalten? In der Schweiz ist das ein Fall für die direkte Demokratie. Fast im Alleingang hat ein uriger Bergbauer eine Volksabstimmung zur Hörnerfrage durchgesetzt.

 Der Schweizer Bergbauer und Alt-Hippie Armin Capaul hat ein inniges Verhältnis zu seinen Kühen. Manchmal tanzt er dem Vieh auch was vor, am liebsten zu den Beatles. Foto: Burmeister/dpa

Der Schweizer Bergbauer und Alt-Hippie Armin Capaul hat ein inniges Verhältnis zu seinen Kühen. Manchmal tanzt er dem Vieh auch was vor, am liebsten zu den Beatles. Foto: Burmeister/dpa

Foto: Burmeister/dpa

Glückliche Kühe mit prächtigen Hörnern scheinen zur Schweiz zu gehören wie das Alpenglühen. Oder doch nicht? "Neun von zehn unserer Kühe haben keine Hörner mehr", sagt die Organisation Schweizer Tierschutz (STS). "Ziegen geht es nicht viel besser."

In der Schweiz - ebenso wie in Deutschland - werden diese Nutztiere systematisch enthornt. Unter anderem soll damit die Verletzungsgefahr in Großställen reduziert werden, wo Kühe oft dicht an dicht stehen. "Dafür raubt man ihnen die Würde und riskiert, dass sie dauerhaft Phantomschmerzen haben", schimpft der Bergbauer Armin Capaul. Er kämpft dafür, dass Kühe und Ziegen ihre Hörner behalten dürfen.

Nun hat Capaul einen großen Erfolg errungen: Gemeinsam mit nur wenigen Helfern sammelte der 64-Jährige rund 120 000 als gültig anerkannte Unterschriften. Nach den Spielregeln der direkten Demokratie in der Schweiz sind das 20 000 mehr als erforderlich, damit über eine Volksinitiative abgestimmt wird. Von einem "basisdemokratischen Wunder" war in Zeitungen zu lesen - nachdem Capaul anfangs eher als "Hornkuh-Spinner" verspottet worden war.

Das Datum der Abstimmung muss zwar noch bestimmt werden. Klar ist aber, dass die Eidgenossen tatsächlich zu den Urnen gerufen werden, um die Frage zu entscheiden, ob der Staat Bauern mit finanziellen Anreizen dazu bringen soll, auf das Enthornen zu verzichten.

"Ein Verbot wollen wir nicht", erklärt Capaul bei einem Besuch auf seinem Bergbauernhof im Berner Jura. "Wer das Enthornen für richtig hält, soll das weiter tun dürfen", sagt der Viehwirt, den man sich auch gut in einem Werbespot für Kräuterbonbons oder Käse vorstellen könnte.

Ihm und seinen Mitstreitern von der IG Hornkuh gehe es darum, die Agrarsubventionen der Schweiz ein wenig anders als bisher zu verteilen. "Weniger für die industrielle Landwirtschaft und dafür ein wenig mehr für Bauern , die ihren Tieren die Hörner lassen."

Konkrete Summen nennt die "Hornkuh-Initiative" nicht. Capaul schweben pro Jahr etwa 500 Franken (455 Euro) für jede Kuh und 100 Franken (91 Euro) für jede Ziege mit Hörnern vor. "Das sollte als Direktzahlung an Bauern gewährt werden, die ihren Tieren die Hörner lassen. Unter anderem weil sie dafür mehr Platz brauchen in einem Freilaufstall und weniger Tiere halten können." Da kämen leicht 25 Millionen Franken zusammen, konstatierte die Zeitung "Schweizer Bauer". "Gefühle spielen eine große Rolle beim Umgang mit den Tieren", sagt der Bauer, der seinen Kühen gelegentlich sogar etwas vortanzt. "Ich bin eine Art Alt-Hippie aus der Flower-Power-Zeit, mit ‚Peace and Love' und so." Beim Stallputzen legt Capaul schon mal die Beatles auf, Pink Floyd oder Deep Purple . "Die Kühe bewundern mich beim Tanzen."

Für die Abstimmung rechnet Capaul fest damit, dass ihn die Mehrzahl der Schweizer Frauen unterstützen wird. "Frauen bringen einfach mehr Gefühl für Tiere auf", sagt der Bauer und fügt augenzwinkernd hinzu: "Wer unseren Sieg verhindern will, der müsste vorher das Frauenstimmrecht wieder abschaffen."