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Der Lunch wächst auf Bäumen

Der Lunch wächst auf Bäumen

Natürliche Ernährung ist hip. So hip, dass sich einige ihren Salat im Park und auf Wiesen zusammenstellen. Solche Expeditionen werden auch professionell angeboten. Doch nicht jedes Kraut ist unbedenklich.

Unter einer Linde stehen sie und stecken sich Blätter in den Mund. Eine "Baumsalat-Tour" nennt sich das, was die Gruppe in einem Berliner Park veranstaltet. Sie sammeln dort Blätter für einen Salat, den sie am Ende gemeinsam verspeisen.

"Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, Linde zu essen", sagt der 30-jährige Marcel Severith. Kursleiterin Madeleine Zahn erklärt die Regeln. Erntezeit sei von Mitte April bis Ende Mai, höchstens noch Anfang Juni. Vergleichbare Sammeltouren sind bundesweit äußerst rar - wenn, dann gibt es sie auf dem Land.

Den Hype um Naturprodukte von der Wiese sieht Trendforscher Peter Wippermann als Teil der Steinzeiternährung, der sogenannten Paleo-Diät. Deren Anhänger ernähren sich von Produkten, die es schon in der Steinzeit gab: Wild, Gemüse, Kräuter und Pilze zum Beispiel.

Doch nicht alles, was man pflücken kann, ist unbedenklich. Vorsicht sei etwa bei Gepflücktem aus Fußhöhe geboten, wo sich Hunde erleichtern können, warnt Kursleiterin Zahn. Auch direkt neben viel befahrenen Straßen rät sie vom Pflücken ab: wegen erhöhter Abgaswerte und Feinstaub. Sie legt einen Stopp bei einer Eibe ein. Dieser Baum sei hochgiftig.

Die Tour unter dem Motto "Die Stadt ist dein Garten" bietet Zahn auf der Internetplattform "Mundraub.org" an. Dahinter verbirgt sicheine digitale Karte, auf der Naturfreunde seit gut sechs Jahren Standorte von Obst- oder Nussbäumen eintragen und so das Sammeln für andere erleichtern. Privatgärten sind tabu. "Ich habe eine Fruktose-Allergie und wollte es mal mit Blättern probieren", sagt Marcel Severith neben einem Strauch Kornelkirsche. Manche Teilnehmer haben schon öfter an Naturtouren teilgenommen. "Die meisten Rosen sind essbar", erklärt Zahn neben einer Hundsrose. Gemeint sind die Blütenblätter. Weiter geht es zur Robinie, deren Samen und Rinde giftig sind. Die Blüte aber sei essbar, meint die Kursleiterin. Man könne sich auch an den allermeisten Nadelbäumen bedienen. Damit am Ende nicht doch die Eibe im Salat landet, empfiehlt Zahn ein Bestimmungsbuch, um giftige Pflanzen auszuschließen. "Nicht alles, was grün ist, ist gesund", sagt Jürgen Thier-Kundke, Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). "Über die Wirkung von Blättern und Tannennadeln ist nichts bekannt. Das hat noch nie jemand untersucht." Manche Kräuter enthielten krebserregende Stoffe, erklärt Thier-Kundke. Bei vielen bedenklichen Stoffen komme es auf die Menge an, die man zu sich nimmt. In Städten sei das Risiko, dass Pflanzen etwa durch Abgase, Exkremente sowie durch Mikrobakterien verunreinigt seien, größer als auf dem Land.

Kursteilnehmerin Claudia Eschen hat noch ein ganz anderes Problem. Die 34-Jährige zweifelt an der Alltagstauglichkeit: "Mir ist dieses Sammeln zu umständlich."