Der große Appetit der Käse-Diebe

Reggio Emilia · Parmesan ist weltweit begehrt. Auch Hehlerbanden haben den Wert der Parmesanlaibe für sich entdeckt. Allein beim Diebstahl in Reggio Emilia vergangene Woche wurde Käse im Wert von 45 000 Euro gestohlen.

 Die riesigen Parmesan-Laibe sind das „Gold der Po-Ebene“ – und auch bei Hehlerbanden begehrt. Foto: Michael Westermann/dpa

Die riesigen Parmesan-Laibe sind das „Gold der Po-Ebene“ – und auch bei Hehlerbanden begehrt. Foto: Michael Westermann/dpa

Foto: Michael Westermann/dpa

Die Täter kamen im Morgengrauen. Mit dem Schweißbrenner öffneten sie das Gitter eines der Fenster zur Lagerhalle. Das Alarmsystem hatten sie zuvor deaktiviert. Dann trugen sie ihre 40-Kilogramm-Schätze in den bereitstehenden Transporter. Einen nach dem anderen, insgesamt 148 Formen feinsten und zwölf Monate gereiften Parmesans.

Als Gisberto Montelli wenig später zur Arbeit in der Käserei erschien, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung: "Ich habe das aufgebrochene Fenster gesehen und drinnen die ausgeräumten Käseregale." Um die 300 Euro ist eine einzige Parmesan-Form wert. In der Latteria von Roncocesi bei Reggio Emilia erbeuteten die Käsediebe vergangene Woche demnach Ware im Wert von 45 000 Euro . Der Parmigiano Reggiano ist eines der begehrtesten italienischen Lebensmittel. Nur in den Provinzen der Städte Parma, Reggio Emilia , Bologna, Modena und Mantua produzieren Landwirte den echten und markengeschützten Parmigiano Reggiano - das "Gold der Po-Ebene". Diese weltweit begehrte Exklusivität macht seit Längerem auch Langfingern Appetit. Lagerhallen werden so oft ausgeräumt, dass sich die Carabinieri in der Po-Ebene beinahe schon an die Parmesan-Diebstähle gewöhnt haben. Manche Käserei wurde bereits zum fünften Mal geleert.

Beim Konsortium des Parmigiano Reggiano ist die Rede von Dutzenden Einbrüchen pro Jahr in den 350 zugehörigen Käsereien. "Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren 15 000 Formen gestohlen, das bedeutet einen Schaden von mehr als sechs Millionen Euro ", sagte Konsortiums-Direktor Riccardo Deserti.

Erstmals schlugen die Räuber vor rund fünf Jahren zu, in den vergangenen beiden Jahren stieg die Aktivität der Parmesan-Diebe noch einmal an und scheint auch in diesem Jahr nicht abzunehmen. Vor allem um Ostern und um Weihnachten herum, wenn die Produktion auf Hochtouren gelaufen ist, schlagen die Räuber zu. Etwa 15 Einbrüche allein in den Käsereien der Provinz Reggio Emilia wurden vergangenes Jahr gemeldet, dieses Jahr sind es bereits fünf.

Die Kriminellen handeln den Ermittlern zufolge nach einem "ausgeklügelten System". Die Käsereien werden vorher observiert, die meist unzulänglichen Alarmsysteme und Sicherheitsvorkehrungen studiert und deaktiviert. Die Banden setzen sich aus bis zu zehn kräftigen und agilen Mitgliedern zusammen, die sich die Arbeit teilen: Während eine Gruppe den Weg in das Käselager freimacht, tragen die anderen die Formen in den meist gestohlenen Lieferwagen.

Vor zwei Jahren nahm die Polizei eine Bande aus sechs Süditalienern aus Apulien und einem Albaner fest. Die Spur in den Süden ist heiß. Laut Polizei wird die Hehlerware auf Märkten vor allem in Süditalien verkauft. Um die Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit der Original-Parmesan-Form zu beseitigen, teilen die Täter den Käse in viele kleine Stücke.