Der Bodenständige

München. Er ist kein Mann der großen Worte. Und so stößt Roman Lob auch nur ein "Ich bin unglaublich sprachlos" aus, als er den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen hat. Lob ist nun "Unser Star für Baku", "die neue Lena", wie manche frotzelnd sagen. Doch Charme und Esprit einer Lena Meyer-Landrut hat der 21-Jährige nicht

München. Er ist kein Mann der großen Worte. Und so stößt Roman Lob auch nur ein "Ich bin unglaublich sprachlos" aus, als er den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen hat. Lob ist nun "Unser Star für Baku", "die neue Lena", wie manche frotzelnd sagen. Doch Charme und Esprit einer Lena Meyer-Landrut hat der 21-Jährige nicht. Es wird sich weisen müssen, ob der für seine Stimme Vielgelobte die Erfolgsgeschichte der Hannoveranerin fortschreiben kann - oder ob er mit seinem "Standing still" in alter deutscher ESC-Tradition auf den hinteren Plätzen landet.Anders als Meyer-Landrut, die vor dem ESC-Finale in Oslo aus dem Nichts beim deutschen Vorentscheid auftauchte, ist Lob den Fans von Casting-Shows kein Unbekannter. Er hatte sich 2007 mit gerade Mal 16 Jahren beim RTL-Format "Deutschland sucht den Superstar" beworben und war fortan als Dieter Bohlens "Käppi-Junge" der Star vieler Fans. "Er hat Soul in der Stimme", schwärmte Bohlen damals über den stets mit einem Käppi auf dem Kopf singenden Teenager.

Bei "DSDS" verhinderte noch eine Kehlkopfentzündung einen möglichen Sieg, Lob musste vorzeitig aussteigen. Vielleicht tat ihm der Rückschlag vor fünf Jahren gut. Denn der am 2. Juli 1990 in Düsseldorf geborene und im pfälzischen Neustadt/Wied aufgewachsene Lob setzte fortan auf Bodenständigkeit. Nach seinem Realschulabschluss machte er eine Lehre zum Industriemechaniker. Sein Ausbildungsbetrieb übernahm ihn auch, so dass er für "Unser Star für Baku" praktisch aus der Werkstatt auf die Bühne wechselte.

Die musikalische Leidenschaft hat bei Lob der Großvater geweckt, der Kirchen-Organist war. Der Enkelsohn lernte von diesem selbst Orgel und Klavier, später kam noch das Schlagzeug dazu, und schließlich begann Roman auch mit dem Gesang. Juror Stefan Raab lobte dessen gesangliches Talent in "Unser Star für Baku" mehrfach als ungewöhnlich.

Für die Jury von "Unser Star für Baku" ist Lob ein "Gehörgangschmeichler", der Jung und Alt, Männlein und Weiblein anspricht. Allerdings: Eine Lena-Euphorie löste er nicht aus. Zwar galt Lob praktisch von Anfang des Vorentscheids an als Favorit. Mit seinen braunen Knopfaugen scheint Lob optisch wie gemacht für das zwar rockig angehauchte, aber eher sanfte "Standing still". Das stammt aus der Feder des britischen Erfolgssängers und -komponisten Jamie Cullum.

Ein normaler, vernünftiger junger Mann von Nebenan - so scheint Roman Lob zu sein. Mit einer Ausnahme: Er ist ein Fan von Tatoos. Ein besonders ungewöhnliches trägt er auf der Brust, wie er dem "Stern" verriet. Er hat sich dort ein altes, farbiges Mikrophon in die Haut stechen lassen.

Meinung

Einfach

nur nett

Von SZ-RedakteurSebastian Klöckner

Ein netter Junge, eine nette Stimme und ein netter Song, aber auch net mehr. Und nett ist schließlich der kleine Bruder von langweilig. Mit dieser Kombination wird Deutschland keine Chance auf den Sieg beim Bundesvision Song Contest haben. Der Bub ist zwar schwer gestylt und auf der Brust tätowiert, hat aber trotzdem nicht genug Ausstrahlung, um gegen die zu erwartenden sexy Auftritte aus dem Osten eine Chance zu haben. Und der Titel ist trotz aller Jury-Bekundungen einfach lahm und beliebig, eben Stillstand und kein Satellit, der durchs Orbit schießt.

Am Rande

Das Finale des Grand-Prix-Vorentscheids "Unser Star für Baku" hat bei den Zuschauern kein gesteigertes Interesse hervorgerufen. Am Donnerstagabend schalteten durchschnittlich 2,19 Millionen ein; der Marktanteil lag bei 6,9 Prozent. Beim Start am 12. Januar waren es 2,44 Millionen und 8,2 Prozent Marktanteil. dapd