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Das Warten auf die Regenkönigin

Das Warten auf die Regenkönigin

In einer abgelegenen Region Südafrikas haben seit Jahrhunderten Frauen das Sagen. Weil die Königin seit einigen Jahren tot ist und die Prinzessin noch zu jung zum Regieren, sitzt dennoch ein Mann auf dem Thron.

Im Norden Südafrikas residiert eine Dynastie, die nur von Frauen geführt wird. In deren Händen liegt der Legende nach die Kraft, Regen zu machen. Doch das Haus der Regenköniginnen in einem Teil der Provinz Limpopo kämpft mit der Moderne. Nach dem Tod der letzten Regentin wächst deren Tochter in der Metropole Johannesburg auf.

Die Regentinnen sind seit etwa zwei Jahrhunderten die repräsentativen Oberhäupter des Balobedu-Volks im Nordosten der Republik. Zu dem Volk gehören Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Menschen. Die Königinnen werden "Modjadji" genannt, was übersetzt entweder Mutter oder Tochter der Sonne bedeutet. In Südafrika gibt es neben der Regenkönigin noch zehn weitere repräsentative Könige, denen von der Regierung auch ein Gehalt gezahlt wird. Sie kümmern sich um regionale Angelegenheiten und schlichten Streitereien um Land oder in Familien. Das Protokoll für "Modjadjis" am Königshof im Dorf Khethakoni ist streng: Regenköniginnen heiraten nicht. Sie haben Diener und leben in Abgeschiedenheit. Kinder dürfen sie nur mit einem adeligen Mann bekommen, den der königliche Rat für gut genug befindet und der anonym bleibt.

Makobo, die letzte Königin, mochte die Regeln nicht. Die Regentin, die als erste eine höhere Schule besucht hatte, schockierte die Traditionalisten mit Touren durch Einkaufszentren, berichteten Medien. Sie benutzte Computer und feierte Partys. Außerdem habe sie schließlich sogar eine Beziehung mit einem bürgerlichen Mann geführt.

Nach zwei Jahren der Regentschaft starb Makobo 2005 im Alter von nur 27 Jahren an einer Krankheit. Seither sitzt auf dem Thron der Regenköniginnen ein Mann. Die Hoffnung auf die Rückkehr einer Königin liegt nun auf der elf Jahre alten Masalanabo. Zu ihrem Schutz schirmt Mathole Motshekga die junge Thronfolgerin von der Öffentlichkeit ab.

Nun muss die Dynastie, warten, dass die junge Prinzessin 18 Jahre alt wird. Doch nicht alle Mitglieder des königlichen Rates akzeptieren die Tochter eines bürgerlichen Vaters. Manche denken sogar darüber nach, die Prinzessin durch ein anderes Mädchen zu ersetzen oder den Weg offiziell für einen männlichen Regenten frei zu machen. Viele am Hof sind aber zuversichtlich, dass die Prinzessin die anstehenden Herausforderungen meistern wird, sobald ihr der königliche Umhang aus Leopardenfell um die Schultern gelegt wird.