Das Ende einer Flucht

Berlin. Um 14.12 Uhr war die Flucht zu Ende. Knapp ein halbes Jahr nach der tödlichen Gewaltorgie gegen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz, die bundesweit Entsetzen auslöste, ist der Hauptverdächtige Onur U. gefasst. Der 19-Jährige kam gestern aus dem türkischen Izmir zurück und stellte sich noch am Flughafen Berlin-Tegel

Berlin. Um 14.12 Uhr war die Flucht zu Ende. Knapp ein halbes Jahr nach der tödlichen Gewaltorgie gegen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz, die bundesweit Entsetzen auslöste, ist der Hauptverdächtige Onur U. gefasst. Der 19-Jährige kam gestern aus dem türkischen Izmir zurück und stellte sich noch am Flughafen Berlin-Tegel. Nun erwarten ihn Anklage und Strafprozess - wie fünf weitere Verdächtige. Die Staatsanwaltschaft hält den 19-Jährigen für die treibende Kraft des Angriffs, bei dem der damals 20-jährige Jonny K. gestorben war. Der Fall war an der Grenze zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Deutschland und der Türkei. Auch wenn sich Strafverfolger und Berliner Senatoren den Fahndungserfolg ans Revers heften, den entscheidenden Anteil könnte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geliefert haben. Sie hatte im Februar bei einem Spitzentreffen mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan die Erwartung geäußert, dass die Türkei aktiv nach dem letzten Tatverdächtigen fahnde.Erst in den zurückliegenden Tagen kam deutliche Bewegung in die Angelegenheit. So kündigten die türkischen Behörden nach Ostern Ermittlungen wegen Mordes gegen den mutmaßlichen Schläger an, gefasst wurde er aber nicht. Monate waren auch vergangen, bis jetzt feststand, dass der 19-jährige Deutsche auch die türkische Staatsbürgerschaft hat und damit nicht nach Deutschland ausgeliefert wird. Der deutsche Haftbefehl galt aber weiter. Möglicherweise hielt der 19-Jährige nun den Druck nicht mehr aus. In der Türkei hätte ihm eine harte Strafe gedroht. Auch das Jugendstrafrecht, das in Deutschland höchstens zehn Jahre vorsieht, wird in der Türkei nicht angewendet. Ermittlungen wegen Mordes in der Türkei oder gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge in Deutschland - das war die Alternative.

Für Empörung hatte gesorgt, dass sich der mutmaßliche Alex-Schläger nach seinem Abtauchen per "Bild"-Interview aus der Türkei meldete. Viele fragten sich, ob der Verdächtige der deutschen Justiz auf der Nase herumtanze. Berlins Opferanwalt Roland Weber sagte nun, gerade für die Hinterbliebenen sei es ein wichtiges Signal, dass der Tod von Jonny K. nicht ungesühnt bleibe und die schreckliche Tat juristisch aufgearbeitet werde. Der Anwalt des Hauptverdächtigen, Axel Weimann, kündigte nun an, Onur U. werde an der Wahrheitsfindung mitwirken und Verantwortung für das übernehmen, was er getan habe. Sein Mandant habe so lange gezögert, weil er befürchtete, keinen fairen Prozess zu bekommen. In Ermittlerkreisen war zu hören, dass sich die Verdächtigen gegenseitig beschuldigen. Vier von ihnen waren kurz nach der Tat gefasst. Der fünfte stellte sich Anfang März.

Am 13. Mai soll der Strafprozess beginnen.

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