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Damit die Liebe ewig hält

Damit die Liebe ewig hält

Köln. Schlösser sollen Dinge schützen. Wer etwas mit einem Schloss sichert, der will es bewahren. In diesem Fall ist es die Liebe. Denn: Kölner Passanten und Touristen verwenden die Schließeinrichtung als Liebesbekundung und Zeichen ewiger Verbundenheit. Und so hat die Karnevalshochburg neben dem Dom nun als neue Sehenswürdigkeit ein Schloss - oder besser gesagt: Tausende

Köln. Schlösser sollen Dinge schützen. Wer etwas mit einem Schloss sichert, der will es bewahren. In diesem Fall ist es die Liebe. Denn: Kölner Passanten und Touristen verwenden die Schließeinrichtung als Liebesbekundung und Zeichen ewiger Verbundenheit. Und so hat die Karnevalshochburg neben dem Dom nun als neue Sehenswürdigkeit ein Schloss - oder besser gesagt: Tausende. Auf der Hohenzollernbrücke, die den Stadtteil Deutz und den Hauptbahnhof verbindet, haben Unbekannte vor einem Jahr die ersten Vorhängeschlösser an ein Schutzgitter gehängt. Es müssen Verliebte gewesen sein, worauf die eingravierten Herzen und Eheringe deuten. Die Botschaften sind eindeutig: "Hasl + Strubbi" schwören sich die ewige Treue, "Hans & Eva" heirateten am "7. Oktober 1963" und erneuern ihre Liebe auf der Brücke. "J.R." hat sein Anliegen gleich aufs Schloss gravieren lassen: "MELANIE, willst Du mich heiraten?".

Ganz unterschiedlich in Größe und Modell sind die Vorhängeschlösser. In der beeindruckenden Freiluftgalerie hängen viele neu gekaufte und sehr alte, wuchtige Exemplare. Vom kleinen, gelben Poesiealbum-Schlösschen bis hin zum kitschigen Perlenschloss ist alles vertreten. Nicht nur die Initialen und die Spitznamen der Verliebten werden eingraviert oder mit einem Stift darauf geschrieben, auch die Verzierung ist unterschiedlich. Paare kleben kleine Fotos von sich darauf, gelegentlich hängen Herzen oder Blumen daran. Interessant ist auch die Platzierung am Gitter der 410 Meter langen Brücke. Gruppen und ganze Hochzeitsgesellschaften hängen ihre Schlösser in einer Reihe oder in der Nähe anderer auf. Wer es individueller mag, klickt es ein wenig abseits zu. Wobei dies schwierig wird. Denn mittlerweile ist die Sammlung auf mehrere tausend Schlösser angewachsen.

Doch was steckt wirklich hinter den "Liebesschlössern"? Heimatkunde-Experten am Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) haben festgestellt, dass der Brauch aus Italien stammt. Schloss und Schlüssel seien ein ganz altes Symbol für die Liebe. In Rom ist die Milvische Brücke, die über den Tiber führt, ein Wallfahrtsort für frisch Verliebte. Dort wurden bereits vor mehreren Jahren die ersten Schlösser mit Namen an den Laternen auf der Brücke festgekettet. Der Schlüssel wurde zusammen mit dem Schwurspruch "für immer" ("per sempre") in den Fluss geworfen - damit die Liebe ewig hält. Der Brauch boome in Köln, weil er nach Ansicht der Experten "etwas Schönes, etwas Lebensbejahendes" habe.

Ein Herz für das Ritual in Köln hat mittlerweile auch die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Hohenzollernbrücke. Ließ man anfangs die Schlösser aus Sicherheitsgründen entfernen, dürfen die Liebesbekundungen nun nach heftigen Protesten der Kölner am Schutzgitter hängen bleiben.

Heike und André feiern einen bedeutenden Tag. Sie sind seit fünf Jahren zusammen. Das junge Paar hat deshalb die Initialen seiner Vornamen, das Datum und ein Herz auf ein handelsübliches Vorhängeschloss gravieren lassen. Jetzt stehen sie an der Freiluftgalerie und suchen nach einem passenden Platz: "Das ist doch ein schöner Brauch", findet die Kölnerin. Sie klicken ihr Schloss zu. Dann drehen sie sich um und werfen den Schlüssel in den Rhein. Niemand soll ihr Schloss und somit ihre Verbindung lösen können.