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„Cleopatra“ stürzt Sardinien ins Chaos

„Cleopatra“ stürzt Sardinien ins Chaos

Das Unwetter „Cleopatra“ ist über Sardinien hinweggefegt und hat mindestens 16 Menschen in den Tod gerissen. Die Schäden sind noch gar nicht absehbar. Viele fragen sich einmal mehr: Ist es der Klimawandel?

Die Fluten haben alles mitgerissen: Autos, Bäume, Brücken, halbe Häuser. Die Unwetterfront "Cleopatra" stürzte Sardinien über Nacht ins Chaos. Die Zahl der Toten stieg fast stündlich, mindestens 16 waren es bis gestern Abend. Hunderte mussten ihre Wohnungen verlassen und sind erst einmal ohne Obdach.

"Wir sind dabei, zu schauen, wo wir sie in der Nacht unterbringen", sagte der Präsident der Region, Ugo Cappellacci, in einem Live-Gespräch mit dem TV-Sender Rai News. "Die Situation ist leider wirklich dramatisch." Er sprach von einem "Jahrtausendhochwasser" und menschlichen Tragödien.

Durch die Straßen der besonders betroffenen Stadt Olbia im Norden der Insel ergossen sich schmutzigbraune Sturzbäche, darin schwamm Hausrat. Mancherorts wurden Autos komplett überspült, Bilder zeigten Feuerwehrmänner, die bis zur Brust im Wasser standen. Das ganze Ausmaß der Schäden ist noch gar nicht absehbar.

Italien steht einmal mehr vor einer Herkulesaufgabe. Premier Enrico Letta sprach von einer "nationalen Tragödie" und einem "dramatischen Ereignis". Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus und stellte 20 Millionen Euro an Soforthilfe zur Verfügung. Der Chef des Zivilschutzes, Franco Gabrielli, reiste gestern am frühen Morgen in das Katastrophengebiet, um die Arbeiten der zu hunderten eingesetzten Helfer zu koordinieren.

Italienische Reporter sprachen davon, dass sich das Klima den Tropen anzunähern scheine - und freilich drängt sich einmal mehr die Frage auf: Ist es der Klimawandel, wird es immer mehr solche verheerenden Unwetter geben? "Das aktuelle Ereignis kann nicht als direkte Folge des Klimawandels angesehen werden", sagt der Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT in Karlsruhe. "Der Verdacht liegt aber nahe, dass das Potenzial für heftige Wetterereignisse mit Starkregen in einem wärmeren Klima zunimmt." Allerdings kämen immer mehrere Faktoren zusammen. Etwa habe sich der Starkregen einige Stunden lang über demselben Gebiet gehalten, und auch die Strömungsverhältnisse in den oberen Schichten der Atmosphäre spielten eine wichtige Rolle.

"Mit Sicherheit fiel vielerorts innerhalb weniger Stunden mehr Regen als sonst im ganzen Monat", sagt Mühr. In Olbia wurden 93 Liter Regen auf den Quadratmeter binnen zwölf Stunden gemessen. Normalerweise beträgt der Niederschlag auf Sardinien im gesamten November durchschnittlich 76 Liter pro Quadratmeter.

Noch gibt es keine Entwarnung für die Menschen: Im gesamten zentralen Mittelmeerraum soll es auch in den nächsten Tagen viel Regen geben.