Cholera aus Haiti erreicht die USA

Cholera aus Haiti erreicht die USA

Port-au-Prince/Miami. Die in Haiti seit Wochen grassierende Cholera hat inzwischen auch die USA erreicht. Erstmals wurde die hoch ansteckende Infektionskrankheit im US-Staat Florida bei einer Frau diagnostiziert. Sie war von einem Verwandtenbesuch aus Haiti zurückgekehrt, wie Medien berichteten. In dem Karibikstaat befürchten Mediziner, dass der Höhepunkt der Epidemie noch bevorsteht

Port-au-Prince/Miami. Die in Haiti seit Wochen grassierende Cholera hat inzwischen auch die USA erreicht. Erstmals wurde die hoch ansteckende Infektionskrankheit im US-Staat Florida bei einer Frau diagnostiziert. Sie war von einem Verwandtenbesuch aus Haiti zurückgekehrt, wie Medien berichteten. In dem Karibikstaat befürchten Mediziner, dass der Höhepunkt der Epidemie noch bevorsteht. Bislang starben etwa 1100 Menschen an der Krankheit. Die Arbeit der Hilfskräfte wird im Norden des Landes durch Unruhen erschwert. Bei neuerlichen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und UN-Friedenstruppen kamen bis gestern Abend mehrere Menschen ums Leben. Seit Anfang der Woche wurden damit bei den Unruhen drei Menschen getötet. Die Vereinten Nationen und Haitis Regierung glauben, dass die Proteste nur wenige Tage vor der Präsidentenwahl am 28. November von politischen Kräften provoziert werden. Es kursieren bereits Gerüchte über eine mögliche Verschiebung der Wahl. Die Menschen protestieren gegen den vermeintlich erfolglosen Kampf der Regierung gegen die Cholera-Epidemie, die immer mehr Todesopfer fordert. Sie verlangen auch den Abzug der UN-Stabilisierungstruppe Minustah. Schon zu einem früheren Zeitpunkt der Epidemie war das Gerücht verbreitet worden, der Erreger sei von UN-Soldaten aus Nepal eingeschleppt worden. Die Minustah hat dies stets zurückgewiesen.Die Ausbreitung von Cholera kann sehr schnell gehen und ist vor allem bei den desolaten Hygienebedingungen in Haiti schwer zu bremsen. "Ich denke, wir haben den Höhepunkt noch nicht erreicht. Das Problem ist, dass die Erkrankten viel zu spät zur Krankenstation kommen", sagte die Ärztin Esther Sterk, die für die Organisation Ärzte ohne Grenzen im Einsatz ist. Die Europäische Kommission rief die Mitgliedstaaten zu Hilfe für Haiti auf. Technisches Gerät, Medikamente und Wasseraufbereitungsanlagen würden am meisten gebraucht, sagte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa in Brüssel. Die Kommission habe aus dem bestehenden Haiti-Fonds zwölf Millionen Euro für die Nothilfe mobilisiert und wolle Experten schicken. Unterdessen teilte der frühere US-Präsident Bill Clinton in Washington mit, seine Stiftung werde Haiti 1,5 Millionen Dollar (umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro) zur Bekämpfung der Cholera zur Verfügung stellen.dpa

StichwortDie Cholera ist eine lebensbedrohliche Krankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Die meisten Menschen infizieren sich mit verschmutztem Trinkwasser. Die Bakterien setzen sich im Dünndarm fest und sondern ein Gift ab. Typische Symptome sind starke Durchfälle sowie Erbrechen. Die Patienten können mehr als 20 Liter Flüssigkeit am Tag verlieren. Dies kann Nierenversagen und einen Kreislaufkollaps verursachen. Erkrankte können innerhalb weniger Stunden austrocknen und verdursten. Unbehandelt führt die Cholera oft zum Tod. dpa