Chaos nach dem Horror-Gewitter

Chaos nach dem Horror-Gewitter

Es ist ein Bild der Verwüstung, das der Westen Deutschlands bietet. Das schlimmste Unwetter seit Jahrzehnten hat die Region heimgesucht, Menschen verloren ihr Leben – und Entwarnung gibt es noch nicht.

Blitze und Orkanböen zerstörten auch dieses Haus in Neuss.

Über der Böschung flattert ein Absperrband, die Rettungswagen sind weggefahren. Bestatter haben im Morgengrauen die Leichen von drei Menschen weggebracht, die hier hinter der Hecke in einem Gartenhaus ums Leben kamen - erschlagen von einem Baum, den der Sturm umknickte wie ein Stöckchen. Gespenstische Szene nach dem Unwetter über Düsseldorf. Und am düster verhangenen Westhimmel zucken schon wieder Blitze.

Früh am Dienstagmorgen sind nur wenige Menschen in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen (NRW) unterwegs. Einige versuchen es zu Fuß, weil Busse und Bahnen nicht fahren. Andere kämpfen sich mit dem Auto durch Staus. Auch auf den Schienen geht nichts mehr: Straßenbahnen fallen aus. Auch Ersatzbusse haben keine Chance, sich durch die dichten Straßen zu schlängeln. Lediglich Taxis versuchen, die Menschen von A nach B zu bringen. "Das ist hier Drama", sagte ein Leitstellen-Beamter gestern.

Doch nicht nur in Düsseldorf wütete das schwerste Unwetter seit Jahrzehnten schlimm. Überall in Nordrhein-Westfalen und auch Niedersachsen schlugen Orkanböen, Blitze und Hagel eine Schneise der Verwüstung in viele Ortschaften. Mindestens sechs Menschen fielen den entfesselten Naturgewalten zum Opfer. 30 weitere seien schwer und Dutzende leicht verletzt, meldete die Polizei in NRW, die gemeinsam mit der Feuerwehr 17 000 Mal ausrücken musste. Das Gewitter hat viel Unheil angerichtet. Bäume krachten auf Autos und Häuser, Keller liefen voll Wasser, Straßen wurden überflutet. 1100 Meldungen zählte allein die Feuerwehr in Essen in der Nacht. "900 davon sind noch nicht abgearbeitet", sagt ein Sprecher.

Grund für das heftige Unwetter waren nach Angaben von Meteorologen vor allem die hohen Windgeschwindigkeiten gewesen. Am Düsseldorfer Flughafen seien fast 145 Kilometer pro Stunde gemessen worden, in der Nachbarstadt Neuss 133 und in der Ruhrgebietsstadt Castrop-Rauxel 124 Kilometer pro Stunde. "Das sind alles Orkanstärken", sagt Meteorologe Lars Dahlstrom von der Meteogroup in Bochum. In zahlreichen Städten forderten Behörden die Menschen gestern auf, zu Hause zu bleiben. Vor dem Betreten von Wäldern wurde mit "Lebensgefahr" gewarnt. Und die brisante Wetterlage dauert noch an, so der Deutsche Wetterdienst: "Es gibt keine Entwarnung." Zumindest nicht bis Freitag. Erst dann soll sich das hitzige Wetter abreagiert haben.

Mehr von Saarbrücker Zeitung