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Champagner zum Schleuderpreis

Champagner zum Schleuderpreis

Straßburg/Saarbrücken. Lange war Champagner ein Luxus-Produkt, für das Genießer tief in die Tasche greifen mussten. Doch die Wirtschaftskrise hat die weltweite Nachfrage einbrechen lassen. Rechtzeitig vor Silvester purzeln die Preise - vor allem im Stammland Frankreich, aber vereinzelt auch in Deutschland. In Frankreich liefern sich die großen Supermärkte ein regelrechtes Preisgefecht

Straßburg/Saarbrücken. Lange war Champagner ein Luxus-Produkt, für das Genießer tief in die Tasche greifen mussten. Doch die Wirtschaftskrise hat die weltweite Nachfrage einbrechen lassen. Rechtzeitig vor Silvester purzeln die Preise - vor allem im Stammland Frankreich, aber vereinzelt auch in Deutschland. In Frankreich liefern sich die großen Supermärkte ein regelrechtes Preisgefecht. Im Straßburger Großmarkt Leclerc etwa lockt ein riesiges Schild mit "Champagner zu Sonderpreisen". In der Weinabteilung preist ein Verkäufer an einem riesigen Verkaufsstand die Flaschen mit dem Luxus-Schaumwein an. Um den Stand drängeln sich die Kunden, unter ihnen viele Deutsche. Auf vielen Flaschen verkünden bunte Aufkleber Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent. "Champagner, die bisher 13 Euro gekostet haben, sind nun für zehn Euro zu haben", sagt Sébastien Robert, der bei Leclerc in Ostfrankreich für den Einkauf zuständig ist. Das gleiche Bild in Forbach bei Cora: Champagner gibt es ab 8,90 Euro. "Seit zwei Monaten ist der Preis um etwa 20 Prozent gesunken", sagt Angelo Sardo von der Getränke-Abteilung bei Cora. Kurz vor Silvester sei zudem die Nachfrage der deutschen Kunden im Dezember um ein Drittel gestiegen. Und das, obwohl die Deutschen in Frankreich vor allem Crémant kauften, weil dieser bei gleicher Qualität günstiger als Champagner sei, meint Sardo.

Grund für den Preisverfall beim Champagner ist die Wirtschaftskrise, die vor allem die Exporte um bis zu 60 Prozent einbrechen ließen. Besonders stark ging die Nachfrage nach Angaben des französischen Komitees für die Vermarktung des Champagners (CIVC) in den USA, Großbritannien und Russland zurück. Insgesamt rechnet der Verband für 2009 mit einen Rückgang der Exporte um bis zu 15 Prozent.

Wegen der sinkenden Nachfrage hätten sich bei den Großimporteuren riesige Vorräte angesammelt, erläutert Daniel Lorson, Sprecher des CIVC. Diese hätten ihre Bestellungen in der Folge drastisch zurückgeschraubt, so dass die Lagerräume der Hersteller überfüllt gewesen seien. Derzeit lagerten in den Kellereien der Champagne rund 1,2 Milliarden Flaschen. Um diese Vorräte abzubauen, haben eine Reihe prestigeträchtiger Häuser still und heimlich Untermarken geschaffen, die sie zu Schleuderpreisen auf den Markt bringen. Durch massive Verkäufe wollen die Erzeuger die Kassen füllen und gleichzeitig den Ruf ihrer Nobel-Marken schützen.

In Deutschland macht sich der Trend bisher nur vereinzelt bemerkbar, wie beim Discounter Penny, der mit Champagner für nur 9,99 Euro lockte. Anderswo koste selbst mittelmäßiger Champagner "deutlich über 20 Euro", erläutert die Verbraucherexpertin Elisabeth Maleika. Für Flaschen aus renommierten Kellereien klettere der Preis rasch auf über 40 Euro. "Anders als in Frankreich bleibt Champagner in Deutschland ein Luxus-Produkt für Genießer, die sich das leisten können", betont Maleika. Die derzeitigen Schleuderpreise schadeten dem Image des Champagners als Getränk für besondere Anlässe, bedauert Paul-François Vranken von der Kellerei Vranken-Pommery. Die weltweite Nachfrage werde in fünf Monaten wieder anziehen. Dann würden die meisten Kellereien ihre Untermarken einstellen. Champagner werde dann wieder, was er bisher war - "rar und teuer". "Seit zwei Monaten

ist der Preis um rund

20 Prozent gesunken."

Angelo Sardo, Cora Forbach