Bombenbau im Unterricht

Lübeck. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen einen Lehrer, der mit Schülern einer Lübecker Waldorfschule Rohrbomben gebaut und gezündet haben soll

Lübeck. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen einen Lehrer, der mit Schülern einer Lübecker Waldorfschule Rohrbomben gebaut und gezündet haben soll. Die Fünftklässler der Freien Waldorfschule Lübeck und ihr Lehrer sollen im Unterricht Schwarzpulver hergestellt haben, das sie dann in Behälter gefüllt und in der Palinger Heide, einem Waldgebiet in der Nähe der Schule, mit Hilfe von Wunderkerzen gezündet haben sollen. Ihre explosiven Experimente, bei denen niemand verletzt worden sei, sollen die Schüler im Frühjahr 2010 gemacht haben. Im Mai 2011 hätten Eltern Anzeige erstattet. "Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, hat der Lehrer gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, Klaus-Dieter Schultz.In Waldorfschulen gibt es keine Zensuren und kein Sitzenbleiben. Die Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen seien auf die Entwicklung des jungen Menschen abstimmt, "bildhafter Unterricht" sei ein wesentliches Prinzip, heißt es auf der Internetseite der Lübecker Waldorfschule. Die Experimente mit Schwarzpulver gingen einigen Eltern dann aber doch zu weit. Die "Lübecker Nachrichten", die gestern von mehreren Rohrbomben-Experimenten zwischen 2009 und 2011 berichteten, zitierten eine Mutter mit den Worten: "Die Explosion war so heftig, dass die Kinder die Druckwelle im Bauch gespürt haben." Als sich Eltern beschwerten, soll die Schulleitung nach Angaben der Mutter den Vorfall heruntergespielt und gegen den Lehrer lediglich eine Abmahnung ausgesprochen haben. Die Schule wollte sich zu den Berichten nicht äußern.

Erst im März 2011 hatte ein Lehrer nahe Lübeck Eltern empört, weil er vor den Augen von Zehn- und Elfjährigen ein Kaninchen schlachten ließ. Er wollte ihnen zeigen, wie das Fleisch auf den Teller kommt. dpa