Blumen gegen Hunger

Die Botschaft ist klar: Die acht führenden Industrieländer sollen für eine gerechte Verteilung der weltweiten Nahrungsmittel sorgen. An der globalen Kampage beteiligen sich auch Bill Gates und David Beckham.

"Haben Sie schon eine Blume gepflanzt?", ruft Lettice Wigby den Parkbesuchern zu, die am sonnigen Samstagnachmittag durch den Hyde Park spazieren und überreicht ihnen freudestrahlend eine der 250 000 Windmühlen-Blumen. Sie haben jeweils acht Blütenblätter, jedes Blatt soll eines der zwei Millionen hungernden Kinder auf der Welt symbolisieren. Lettice Wigby ist eine der Freiwilligen, die bei der Kampagne "Enough food for everyone, IF" (Genug Essen für alle, WENN) mitmachen.

Die Kampagne verlangt von den G-8-Staaten, deren Vertreter sich am 17. und 18. Juni in Nordirland treffen, ausreichend Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen. Weitere Kernpunkte der Forderungen sind, die Steuervermeidung internationaler Konzerne zu stoppen und Anbauflächen für Nahrungsmittel statt für die Treibstoffproduktion zu nutzen. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, kamen mehr als 45 000 Menschen am Samstag in den Hyde Park. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates und Fußballstar David Beckham unterstützen die Kampagne, genauso wie mehr als 200 Organisationen, darunter die Kirche von England und Hilfswerke wie Oxfam und "Save the children". Einige Bischöfe der Kirche von England fasteten bereits am Donnerstag, um die Kampagne zu unterstützen.

Tausende Helfer arbeiteten in Schichten, um die Blumen zusammenzustecken und in den Boden zu pflanzen. Es entstand ein Bild eines leeren Kochtopfs, der von zwei Händen gehalten wird und die Buchstaben "IF". Im Laufe des Tages wurde der Topf mit den Blumen der Besucher gefüllt. Zehntausende weitere Menschen sammelten sich am anderen Ende des Parkes zu einer Demonstration. Es sei ein Hohn, dass einer von acht Menschen auf der Welt nicht genug zu essen hat, sagte Gates. "Wenn Babys in den ersten 1000 Tagen ihres Lebens nicht die richtige Nahrung bekommen, werden sie niemals in der Lage sein, ihr gesamtes Potenzial auszuschöpfen." Und Danny Boyle, der jüngst bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele Regie führte, forderte, den Hunger in der Welt zu bekämpfen: "Jeder, der sagt, dass wir die Hungerkrise nicht lösen können, hat unrecht. Es ist mein Traum, dass bei den kommenden Olympischen Spielen in keinem der Länder, dessen wundervolle Fahnen im Wind wehen, jemand an Hunger sterben muss."

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, forderte per Videobotschaft: "Wir müssen den Hunger innerhalb unserer Lebenszeit beenden." Der Erzbischof zeigte sich erfreut darüber, dass Großbritannien künftig 0,7 Prozent seines Volkseinkommens für die Entwicklungshilfe aufbringen werde.

Als Lettice Wigby die letzte Blume an Besucher überreicht, ist sie überzeugt, dass der Protesttag ein Erfolg war. "Es war toll, sich für ein globales Anliegen einzusetzen. Das hat mich sehr inspiriert", sagt sie. "Vielleicht bewerbe ich mich sogar bei einer der Organisationen, die heute hier waren."