Bill Cosby drohen zehn Jahre Haft

Bill Cosby drohen zehn Jahre Haft

Mehr als 50 Frauen beschuldigen US-Schauspieler Bill Cosby, sie sexuell missbraucht zu haben. Zu den mutmaßlichen Opfern gehören Models, Kellnerinnen und Mitarbeiterinnen aus dem Showgeschäft. Jetzt kommt es zum Strafprozess.

Der US-Komiker Bill Cosby kommt an einem Strafprozess wegen sexuellen Missbrauchs nicht vorbei. Eine erste Voranhörung zu dem Prozess wurde am Dienstag von einem Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania für den 24. Mai angesetzt. Am Tag zuvor war ein Antrag des früheren Fernsehstars abgewiesen worden, die Anklage fallen zu lassen. Mehr als 50 Frauen beschuldigen den einstigen Star der "Cosby Show", sie sexuell missbraucht zu haben. Zu den mutmaßlichen Opfern gehören Models , Kellnerinnen und Mitarbeiterinnen aus dem Showgeschäft. Die Fälle reichen bis in die 60er Jahre zurück, die meisten sind daher bereits verjährt.

Cosby weist alle Vorwürfe vehement zurück. Der anstehende Prozess konzentriert sich auf einen einzigen Fall aus dem Jahr 2004. Der heute 78-Jährige soll damals eine 37 Jahre jüngere Mitarbeiterin der Temple University in Philadelphia unter Drogen gesetzt und missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm "schwere sexuelle Nötigung " vor. Cosby drohen bis zu zehn Jahre Haft und 25 000 Dollar (22 000 Euro) Geldstrafe. Nach Aussagen der Klägerin gab Cosby ihr damals in seinem Haus in einem Vorort von Philadelphia "blaue Pillen" und versicherte auf Nachfrage, diese seien "pflanzlich". Etwa eine halbe Stunde später habe sich die junge Frau, die auch Wein getrunken hatte, schlecht gefühlt, ihr Sehvermögen sei gestört gewesen und sie habe kaum sprechen können. "Sie verlor alle Kraft in ihren Beinen, (...) konnte ihre Augen nicht mehr offen halten, nahm keine Geräusche mehr wahr und hatte kein Zeitgefühl mehr", heißt es in der Klageschrift. Anschließend habe der Schauspieler sie missbraucht. Cosby hat gestanden, der Frau eine Pille gegeben zu haben. Er gibt aber an, der Geschlechtsverkehr habe in gegenseitigem Einvernehmen stattgefunden. Cosby und die Universitätsmitarbeiterin hatten sich im Jahr 2006 bereits in einem Zivilverfahren geeinigt. Seine Anwälte führten vergeblich ins Feld, in der damaligen Vereinbarung sei ein Strafverfahren ausgeschlossen worden.

Cosby erlitt am Dienstag einen weiteren juristischen Rückschlag, als ein Gericht einen Antrag des Schauspielers gegen ein New Yorker Magazin zurückwies. Cosby hatte die Herausgabe der Interviews, Notizen und anderer Aufnahmen der Journalisten verlangt, mit denen sie im vergangenen Sommer eine Titelgeschichte zu den Missbrauchsvorwürfen von 35 Frauen gegen Cosby unterfüttert hatten. Cosbys Anwälte äußerten sich zunächst nicht zu der Entscheidung.

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