„Kann nicht glauben, dass ...“ „Barbie“ – warum Kritiker den Film lieben und Vietnam ihn verbietet (mit Video)

Rosa und eine Welt aus Plastik – „Barbie“ ist in vielen Kinderzimmern zu finden. Jetzt wurde „Barbie“ mit Starbesetzung verfilmt. Doch schon vor dem Start gibt es mächtig Trubel.

Rosa, wo das Auge hinsieht: überall Rosa – und mittendrin Schauspielerin Margot Robbie als Barbie. Doch was auf den ersten Blick wie eine kitschige Realverfilmung des durchaus umstrittenen Kinderspielzeugs wirkt, entpuppt sich laut Kritikern als echtes Meisterwerk. Ein Meisterwerk, das aber auch zu politischen Kontroversen und gar Verboten führt.

„Barbie“ wird in Vietnam verboten – das ist der Grund

Der weltweit mit Spannung erwartete „Barbie“-Film wird in Vietnam nicht in die Kinos kommen. Der Grund ist politisch: In dem Streifen ist die sogenannte Neun-Striche-Linie zu sehen, mit der China auf Landkarten seit Jahrzehnten Ansprüche auf weite Teile des Südchinesischen Meeres erhebt.

Allerdings beanspruchen dort auch andere Länder Gebiete – wie Vietnam, die Philippinen oder Malaysia. Das Verbot sei vom Nationalen Filmbewertungsrat beschlossen worden, berichtete die Zeitung „VNExpress“ am Montag. Eigentlich sollte „Barbie“ mit Margot Robbie und Ryan Gosling in den Hauptrollen am 21. Juli in dem südostasiatischen Land in den Kinos starten. Auf den Philippinen prüften die Behörden ebenfalls ein mögliches Verbot aus dem gleichen Grund. Die Kinos auf den Philippinen dürfen den neuen „Barbie“-Film nun aber doch zeigen. Bedingung ist, dass die Seekarte mit der umstrittenen Neun-Striche-Linie ausgeblendet wird, wie das philippinische Nachrichtenportal PhilStar berichtete.

„Barbie“-Verbot – so reagiert Warner Bros.

Mittlerweile hat sich das US-Filmstudio Warner Bros. zu Wort gemeldet. „Die Karte in Barbieland ist eine kindliche Buntstiftzeichnung“, sagte ein Warner-Bros.-Sprecher jetzt dem Branchenmagazin „Variety“. „Die Kritzeleien stellen Barbies fiktive Reise von Barbieland in die „reale Welt“ dar. Es war nicht beabsichtigt, irgendeine Aussage zu machen.“

Die Weltkarte sei völlig „cartoonhaft“ und „unrealistisch“, schrieb auch der „Toronto Star“ in einem Kommentar. „Wo ist Kontinentaleuropa? Neuseeland? Was stellen die Segelboote dar? Ist das eine Narrenkrone auf Island?“, fragte das Blatt ironisch. Allerdings stellt sich durchaus die Frage, warum die gestrichelte Linie überhaupt auf der Karte zu sehen ist, während die Karte in anderen Teilen ganz eindeutig eine schemenhafte Darstellung ist.

Vietnam hat in der Vergangenheit bereits mehrmals Filme verboten, weil darin die „Neun-Striche-Linie“ vorkam: Im vergangenen Jahr wurde der Abenteuer-Actionfilm „Uncharted“ mit Tom Holland aus dem Programm genommen. 2021 wurden acht Episoden der Netflix-Serie „Pine Gap“ von den Bildschirmen verbannt.

Kritiker loben „Barbie“-Film mit Margit Robbie und Ryan Gosling

Der Film feierte am 9. Juli 2023 in Los Angelos Premiere. Danach haben sich die ersten Filmkritiker auf Twitter zu Wort gemeldet – und sind voll des Lobes. „Barbie ist die Perfektion. Greta Gerwig liefert einen nuancierten Kommentar zu der Frage, was es bedeutet, eine Frau zu sein, in einem skurrilen, wunderbaren und zum Lachen komischen Drama. Die gesamte Besetzung glänzt, vor allem Margot Robbie und Ryan Gosling in Rollen, für die sie offensichtlich geboren wurden“, schreibt die Katcy Stephan vom Branchenmagazin Variety.

Jamie Jirak von Comic Book sieht Ryan Gosling für seine Rolle als Ken sogar als Oscar-Kandidat. „Greta Gerwig hat meine Erwartungen tatsächlich übertroffen. Sie geht so wunderbar auf die positiven und negativen Aspekte von Barbie ein. Gebt Ryan Gosling eine Oscar-Nominierung, ich meine es absolut ernst“, schreibt sie.

New York Times-Autour Kyle Buchanan schrieb: „Weitere Barbie-Gedanken werden folgen, aber der erste ist: Ich kann nicht glauben, dass Greta Gerwig damit durchgekommen ist! (bewundernd gesagt)“. Gemeint ist damit wohl vor allem, dass sich Regisseurin Greta Gerwig in ihrer „Barbie“-Verfilmung auch deutlich mit der Kritik an der Puppe auseinandergesetzt hat. Und das, obwohl der „Barbie“-Hersteller Mattel an dem Film beteiligt war.

Darum geht es in der Realverfilmung von „Barbie“

„Barbie“ erzählt die Geschichte der Puppen Barbie und Ken, die in der farbenfrohen und scheinbar perfekten Welt von Barbieland glücklich sind. Doch dann werden sie in die echte Welt versetzt – was viele turbulente Folgen hat. Es handelt sich um die erste Verfilmung mit realen Schauspielern.

„Barbie“-Regisseurin Greta Gerwig: „Der Film ist für Leute, die Barbie hassen“

„Barbie“-Puppen sind bei Kindern beliebt. Doch das Spielzeug steht auch seit Jahren in der Kritik, vor allem wegen der unrealistischen Körperproportionen. Diese könnten bei jungen Menschen dazu führen, dass sie sich selbst und ihren Körper nicht als schön betrachten.

Wie geht der „Barbie“-Film mit dieser Kritik um? „Der Film ist für Leute, die Barbie hassen, weil wir Barbie im Laufe der Geschichte ein bisschen zerstören“, sagte Regisseurin und Drehbuchautorin Greta Gerwig dem Zeit-Magazin. Der Barbie-Hersteller und Co-Produzent des Films, Mattel, sei deshalb anfangs besorgt gewesen: „Sie wollten nicht wieder all diese Argumente gegen Barbie hervorholen“, so Gerwig. „Ich habe gesagt: Wir können nicht anders. Wir können keinen Film über Barbie machen und die Kritik an ihr ignorieren. Selbst wenn sich Barbie weiterentwickelt hat, ist die Tatsache, dass sie umstritten ist, immer noch ein Teil von ihr.“

„Barbie“: Kinostart in Deutschland und FSK-Freigabe

In Deutschland ist „Barbie“ ab dem 20. Juli zu sehen. Der Film richtet sich aber offenbar nicht nur an Kinder. Auch Themen wie sexuelle Belästigung werden angesprochen, wie in einer Szene im Trailer zu sehen ist. Wegen „anzüglicher Anspielungen“ hat der Film unter anderen in Großbritannien eine PG-13-Wertung bekommen. In Deutschland steht diese Wertung der Freiwilligen Selbstkontrolle noch aus, dürfte aber ebenfalls eine Freigabe erst ab 12 Jahren (FSK 12) bekommen.

(dpa)
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