Babyglück im Bundeskabinett

Babyglück im Bundeskabinett

Vorbild Schwesig? Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fällt ins Ressort der Ministerin. Jetzt bekommt die Hoffnungsträgerin der SPD ihr zweites Kind. Das Ende ihrer Karriere ist das sicher nicht.

Das Familienministerium muss demnächst eine Weile ohne Chefin auskommen. Jedoch nur wenige Wochen - wie Ministerin Manuela Schwesig betont. Die 41-Jährige erwartet in wenigen Monaten ihr zweites Kind. Das ist für sie natürlich kein Grund, ihren Ministerposten an den Nagel zu hängen. "Es ist immer ein Spagat, wie in anderen Familien auch", sagte die SPD-Politikerin.

Beruf oder Karriere ? Die Frage habe sie mit ihrem Mann Stefan gemeinsam und ganz pragmatisch beantwortet: Sie hat beim ersten Kind pausiert, nun sei er an der Reihe. "Es ist für uns beide selbstverständlich, dass wir berufstätig sind und beide im Beruf bleiben", betont Schwesig. Mit breitem Grinsen wirbt sie am Dienstag in Berlin gemeinsam mit Schulkindern für sichere Schulwege. Die Aufmerksamkeit gehört in diesem Moment jedoch nur der Ministerin. Wölbt sich schon ein Babybauch unter dem roten Kleid? Wie fühlt sie sich?

"Mir geht es gut, mir geht es prima", wiederholt sie geduldig. Sie sei sehr glücklich, sagt sie knapp. Besonders über die vielen Glückwünsche. Die kamen auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU ) und weiteren Kabinettsmitgliedern. Die Neuigkeit über den Schwesig-Nachwuchs hätten die Kollegen jedoch erst gestern Morgen erhalten. "Das ist ja nichts, was man in einer Kabinettssitzung bekanntgeben muss", sagt die Politikerin nüchtern.

Trotzdem erinnert man sich in Berlin an diesem Tag auch an Schwesigs Vorgängerin. Vier Jahre lang war Kristina Schröder unter Kanzlerin Merkel in der Regierung, 2011 bekam sie ein Kind, als erste Bundesministerin während der Amtszeit. Heute hört man nicht mehr viel von ihr. Schröder hatte angekündigt, sich mehr Zeit für ihre Familie nehmen zu wollen. "Es ist eine ganz persönliche Entscheidung", sagt Schwesig heute. Für sie sei der Ausstieg jedoch keine Option.

Vorbild für Schwesig dürfte eher Ursula von der Leyen sein, die auch einmal im Kabinett für Familien zuständig war. Heute ist die siebenfache Mutter Verteidigungsministerin. Und manche sehen Schwesig noch nicht am Ende ihrer Karriere . Die 41-Jährige pendelt zwischen Berlin und der Familie in Schwerin, ihr achtjähriger Sohn Julian hat von seiner Mutter manche Tage nicht mehr als einen Anruf am Morgen und einen am Abend. Aber er hat einen Vater, der sich mit reduzierter Arbeitszeit um ihn kümmert.

Schwesig als Rollenvorbild für das moderne Deutschland? "Nein, das muss jede Frau für sich selbst entscheiden", erklärt sie. Sie arbeitet immerhin einen Tag im Monat zu Hause im Home Office, wie die Ministerin kürzlich berichtete. Im Dienstwagen von Schwerin nach Berlin werden Akten studiert und Telefonkonferenzen abgehalten. In der Hauptstadt schläft Schwesig in ihrem Ministerium. Der Sonntag zu Hause bei der Familie ist ihr dann besonders wichtig. "So wie eigentlich in jeder anderen Familie auch", erklärt Schwesig ihre Situation.

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