Angst, Wut und ein Rest Hoffnung

Angst, Wut und ein Rest Hoffnung

„Mama, ich sende dir das, weil ich wahrscheinlich nicht mehr sagen kann, dass ich dich liebe.“ Den Tod vor Augen, hat sich ein junger Passagier der gesunkenen „Sewol“ von seiner Mutter verabschiedet. Viele Angehörige hoffen trotzdem weiter.

Die Ungewissheit zehrt an den Nerven. Auch am Freitag - zwei Tage nach dem Untergang der Fähre "Sewol" vor Südkoreas Küste - verfolgen Angehörige der fast 270 Vermissten mit bangen Blicken die Suche der Rettungskräfte. Viele haben sich in der Nähe des Unglücksorts an der Küste versammelt, um direkte Sicht auf die Bergungsboote zu haben. Das Fernsehen zeigt, wie einige der Eltern immer wieder die Namen ihrer Kinder in Richtung See rufen. Die meisten der Vermissten sind Oberschüler aus einer Vorstadt von Seoul - sie waren mit der "Sewol" auf dem Weg zu einer Ferieninsel.

Von Experten in den Medien erfahren die Angehörigen, dass es nur noch geringe Aussichten gebe, Überlebende aus dem gesunkenen Wrack zu bergen. Dennoch hoffen die Familien, ihre Lieben wieder in die Arme nehmen zu können. Und tatsächlich machte eine Nachricht am Freitag zunächst Mut: Taucher seien ins Innere des Schiffs vorgestoßen. Die Hoffnung der Familien ist, dass Menschen in einer Luftblase noch länger überleben können. Doch weitere Erfolgsmeldungen bleiben am Freitag aus.

Als Staatspräsidentin Park Geun Hye am Donnerstag die Familien auf der Insel Chindo nahe der Unglücksstelle besuchte, schallten ihr Kritik und Buhrufe entgegen. Die Mutter eines vermissten Kindes fällt vor laufenden Kameras auf die Knie. Sie bittet Park, die Rettungsbemühungen zu verstärken. Sender berichten, viele seien in Tränen ausgebrochen. Andere hätten kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Manche werfen der Regierung vor, nicht angemessen auf den Unfall reagiert zu haben - auch wenn Taucher unermüdlich im Einsatz sind. Am Freitag veröffentlichten die Familien einen Appell: "Unsere Kinder schreien im eiskalten Wasser um Hilfe, helft ihnen!" In den ersten Mitteilungen der Behörden nach dem Untergang war lediglich von etwas mehr als 100 Vermissten die Rede - jetzt sind es fast drei Mal so viele. Schier unglaublich hören sich Berichte an, wonach sich der Kapitän seiner Pflicht entzogen hat. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl beantragt. Er soll das Schiff im Stich gelassen und die Passagiere ihrem Schicksal überlassen haben.

Ergreifend sind Textnachrichten, die Passagiere schrieben, als das Schiff auf der Seite lag. "Mama, ich sende dir das, weil ich wahrscheinlich nicht mehr sagen kann, dass ich dich liebe", zitiert der Kabelsender YTN die Botschaft eines Schülers. Am Freitag wurde darüber hinaus bekannt, dass ein Lehrer, der gerettet wurde, sich danach selbst getötet hat. Der 52-Jährige habe sich an einem Baum auf der Insel Chindo in der Nähe des Orts der Schiffskatastrophe erhängt, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap. Offenbar habe er Schuldgefühle gehabt, weil er gerettet wurde, während viele unter seiner Obhut reisende Schüler ihr Leben verloren.

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