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Angst vor dem Gast im Adamskostüm

Angst vor dem Gast im Adamskostüm

Washington/Phoenix. Das Zimmermädchen, eingewandert aus Mexiko, klopfte in dem noblen Luxusresort in der US-Stadt Phoenix an die Zimmertür für den abendlichen Service. Ein älterer Herr mit grauem Haar habe geöffnet, berichtet die Frau einem Reporter der Tageszeitung "Arizona Republic"

Washington/Phoenix. Das Zimmermädchen, eingewandert aus Mexiko, klopfte in dem noblen Luxusresort in der US-Stadt Phoenix an die Zimmertür für den abendlichen Service. Ein älterer Herr mit grauem Haar habe geöffnet, berichtet die Frau einem Reporter der Tageszeitung "Arizona Republic". In der Zeit, als sie das Bett für die Nacht herrichtete und ein Stück Schokolade auf das Kopfkissen legte, begann sich der Gast bereits zu entkleiden - und stand am Ende ganz ohne Hosen da. "Ich habe das Zimmer schnellstens verlassen", so die Betroffene.

Besondere Angst bei Illegalen

Konsequenzen hatte der Vorfall für den Gast nicht. Aus Angst, entlassen zu werden, hatte die Hotelangestellte zunächst geschwiegen, wie viele ihrer Kolleginnen. Auch hält sich ein Teil der in den USA beschäftigten Zimmermädchen illegal im Land auf und fürchtet bei einem Kontakt mit den Behörden die Ausweisung. Hinzu kommen oftmals Sprachschwierigkeiten. Es gibt Gäste, die im Adamskostüm die Tür öffnen, und dann den Zimmermädchen 100 oder 200 Dollar für Sex bieten, weil sie darauf spekulieren, dass die Niedrigverdiener das Geld dringend brauchen. Oder Gäste, die gleich handgreiflich werden. Vorfälle wie diese sind das schmutzige Geheimnis einer Branche, die über Sex-Attacken auf Angestellte oder unsittliche Angebote bisher nur ungern redete.

Doch nun, seit der Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn in New York, wird dieses Tabu immer häufiger gebrochen - verbunden mit Analysen, ob die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen ausreichen. "Diese Probleme gibt es regelmäßig", sagt Anthony Roman, Chef eines US-Sicherheitsfirma, die Hotels berät.

Spätestens seit am Dienstag der New Yorker Abgeordnete Rory Lancman forderte, alle Zimmermädchen des Bundesstaates mit einem "Panik-Knopf" auszustatten, hat das stille Leiden in dieser Branche auch die politische Debatte erreicht. Gewerkschaften hatten zuvor gelegentlich versucht, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit zu erreichen, doch brauchen sie dazu die Kooperation der Zimmermädchen. Diese aber, so die Arbeitnehmer-Vertretung "Unite Here", hielten sich oft zurück - weil sie glaubten, dass das Hotel im Zweifelsfall dem Gast recht geben werde und dass sie am Ende den Job verlieren würden.

Hotels überprüfen Hausregeln

Die Affäre Strauss-Kahn hat nun dazu geführt, dass große Hotelketten wie der Marriott-Konzern die bestehenden internen Regeln überprüfen, so ein Firmensprecher. Umstritten ist vor allem in der Branche, ob die Zimmermädchen bei offener oder geschlossener Tür ihrer Arbeit nachgehen sollen. Hotels fürchten bei geöffneter Tür, dass es Dieben leichter fallen werde, das Gastzimmer zu betreten. Gewerkschaftsvertreter weisen hingegen darauf hin, eine offene Tür mache es unwahrscheinlicher, dass ein Gast sich Übergriffe leiste - weil man jederzeit vom Flur Einsicht in das Zimmer habe, in dem es ja keine Sicherheitskameras gebe.

Doch es sind nicht nur Gäste, die dem Personal gefährlich werden können. Die Polizei in Washington sucht immer noch einen Mann, der Hotels auf der Suche nach Opfern betrat und in einer Vergewaltigungsserie mindestens sieben Zimmermädchen mißbrauchte.