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Amoklauf weckt alte Ängste

Amoklauf weckt alte Ängste

Der Amoklauf von Dossenheim facht die Debatte um Waffenbesitzt neu an: Ein Mann verliert die Kontrolle, erschießt zwei Menschen und richtet sich selbst. Es ist ein Sportschütze, wieder einmal.

Dossenheim, idyllisch gelegen am Fuße des Odenwaldes, ist keine großen Kriminalfälle gewohnt. "Sonst ist es eine Sensation, wenn ein Fahrrad geklaut wird, jetzt wird auf einmal geschossen", sagt ein Ladenbesitzer. Die 12 000-Einwohner-Gemeinde bei Heidelberg ist Schauplatz eines Amoklaufs geworden. Der Fall heizt mitten im Bundestagswahlkampf den alten Streit um Waffenbesitz wieder an: Der Täter war Sportschütze.

Um 18.51 Uhr ging am Dienstagabend die Horror-Nachricht bei der Polizei ein: In der Vereinsgaststätte der TSG Germania 1899 hat es eine Schießerei gegeben. Wenige Minuten später begann ein Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften, den die kleine Gemeinde noch nicht erlebt hatte. "Überall war Polizei, Scharfschützen lagen auf Hallendächern und ein Hubschrauber kreiste über dem Sportgelände", berichtet der 24-jährige Auszubildende Björn Merkle, der wenige Meter vom Tatort entfernt wohnt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft rastete ein 71-jähriger Rentner bei einer Eigentümerversammlung im Nebenraum der Gaststätte aus. Der Auslöser sei ein Streit um die Nebenkosten seiner Wohnung gewesen. Der Mann wurde des Raums verwiesen. Kurz darauf kam er zurück, rief "Ich bring euch alle um!" und eröffnete mit einer großkalibrigen Pistole das Feuer. Zwei Männer starben. Auch auf seine eigene Ehefrau schoss der Täter. Sie wurde verletzt. Am Ende erschoss sich der Mann selbst.

Sportschützen haben in Deutschland schon mehrfach Bluttaten verübt. Allein in diesem Jahr ist der Vorfall in Dossenheim bereits der dritte. Die Folge waren stets politische Debatten, aber auch schärfere Gesetze: 2002 etwa stieg die Altersgrenze für Kauf und Besitz von Schusswaffen bei Sportschützen von 18 auf 21.

Dossenheim hat am Morgen danach nur ein Thema. Immer wieder kommen Schaulustige zum Tatort, aber auch Menschen, die am Abend die Tat teilweise miterleben mussten. Ein älterer Mann erzählt, er habe auf der Gaststättenterrasse im ersten Stock gesessen, als er etwa zehn bis 15 Schüsse gehört habe. "Wir waren wie verdattert. Danach war es ganz still. Dann sind alle runtergerannt."

Die Bluttat ruft nicht nur bei den Menschen in Dossenheim Erinnerungen an Winnenden und Wendlingen wach, wo ein 17-Jähriger 2009 an seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschoss - mit der Waffe des Vaters. Eine Dossenheimer Passantin sagt, nun müsse endlich etwas geschehen. "Munition und Waffen müssen getrennt gelagert werden, man sieht ja, was sonst passiert."

Auch das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden pocht einmal mehr auf schärfere Waffengesetze. Es ist wohl nur der erste Tag einer längeren Debatte. Kaum vorstellbar, das Thema im Wahlkampf zu umgehen. Der Fall schürt Ängste, die in Deutschland zuletzt wieder etwas aus dem Blick geraten waren. Eine Dossenheimerin sagt: "Gestern habe ich gedacht, wenn der noch rumläuft und flüchtet, dann kann der bei uns im Garten stehen."