Alles Schafskäse oder was?

Dortmund. Die Brötchen hatten sie gekauft - den Aufstrich aber angeblich geklaut. Wieder geht es um einen Mini-Diebstahl am Arbeitsplatz, diesmal um einen Wert von rund 50 Cent. Die Bäckerei-Kette Westermann hatte den beiden Angestellten aus dem westfälischen Bergkamen daraufhin fristlos gekündigt. Zu Unrecht, befand das Arbeitsgericht Dortmund

Dortmund. Die Brötchen hatten sie gekauft - den Aufstrich aber angeblich geklaut. Wieder geht es um einen Mini-Diebstahl am Arbeitsplatz, diesmal um einen Wert von rund 50 Cent. Die Bäckerei-Kette Westermann hatte den beiden Angestellten aus dem westfälischen Bergkamen daraufhin fristlos gekündigt. Zu Unrecht, befand das Arbeitsgericht Dortmund. Das Unternehmen muss die Bäcker nun weiterbeschäftigen."Ich habe die Masse angerührt und war der Meinung, ich hätte sie verwürzt", sagte Horst Dorkowski. Mit seinem 26-jährigen Kollegen Benjamin Lassak habe er den Geschmack des Schafskäse-Aufstrichs nur überprüfen wollen.

Zwar könnten auch Bagatelldiebstähle Grund für eine fristlose Kündigung sein, so das Gericht. Im Fall Dorkowski stehe das allerdings nicht im Verhältnis zu der langen Betriebszugehörigkeit, begründete das Gericht seine Entscheidung. 24 Jahre habe Dorkowski bei Westermann gearbeitet und darüber hinaus von sich aus zugegeben, den Belag probiert zu haben. Das lasse auf eine ehrliche Grundhaltung schließen.

"Ab wann erlaubt die Betriebszugehörigkeit, in die Kasse zu greifen", kritisierte hingegen der Anwalt des Unternehmens, Rudolf Halstrick.

Im Fall von Benjamin Lassak sei ausschlaggebend, dass der Bäcker Mitglied im Betriebsrat war. "Es ist nur aus einem besonderen Grund möglich, Betriebsratsmitglieder zu kündigen", betonte Richter Guido Marek. Grundsätzlich müsse bei einer beabsichtigten Kündigung der Betriebsrat geladen werden und zustimmen. Dabei seien formale Fehler unterlaufen. "Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass es so ausgeht", sagte Lassak angesichts eines Urteils des Berliner Landesarbeitsgerichts, das vor kurzem die Kündigung einer Kassiererin für rechtens erklärt hatte.

Hätte es allerdings im Fall Lassak keine Fehler seitens der Bäckerei gegeben, hätte das Gericht klären müssen, ob Lassaks Handeln als Bagatelldiebstahl zu werten und dies bei seiner Angestelltendauer ein Kündigungsgrund gewesen wäre. Ob sie in den Betrieb zurückkehren werden, ließen die beiden Bäcker noch offen. dpa/afp

Hintergrund

Auch wegen geringer Vergehen kann Arbeitnehmern fristlos gekündigt werden. Einige Beispiele:

- Februar 2009: Wegen zweier Pfandbons im Wert von 1,30 Euro verliert eine Berliner Supermarkt-Kassiererin nach 30 Jahren ihren Job. Auf den geringen Wert der Bons komme es nicht an, stellte das Landesarbeitsgericht klar.

- Februar 2009: Wegen eines Fehlbetrags von 1,36 Euro in der Kasse wird eine Bäckereiverkäuferin in Friedrichshafen am Bodensee entlassen.

- Juni 2006: Ein Arbeiter hatte Aluminiumreste aus seinem Betrieb mitgehen lassen und an ein Recyclingunternehmen verkauft. Das Argument, es habe sich um Abfall gehandelt, überzeugt das Landesarbeitsgericht Mainz nicht. Es weist die Kündigungsschutzklage ab.

- Mai 2005: Das Zerreißen von drei Briefen wird einem Postboten zum Verhängnis. Das hessische Landesarbeitsgericht bestätigt seine fristlose Entlassung. Der Briefträger hatte sein Verhalten mit einem "Blackout" angesichts privater Probleme begründet.

- Oktober 1999: Ein Trinkgeld von 20 Mark kostet drei Münchner Müllmänner den Job. Sie hatten Kisten von Obsthändlern ohne Zusatzgebühr auf den Wagen geladen. dpa