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40 000 Briefe an den Osterhasen

Ein Osterfest der anderen Art : 40 000 Briefe an den Osterhasen

Kinder fragen sich: Kommt der Osterhase trotz Corona? Die Eiersuche muss zumindest nicht ausfallen. Aber wie steht es um Gottesdienste und den Oster-Tourismus?

Eine gute Nachricht gibt es, auch wenn sonst fast alles stillsteht: „Ostern fällt nicht aus“, sagt der Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Carsten Splitt. Das sich ausbreitende Coronavirus, das alles, was normal war, gleichsam aus den Angeln gehoben hat, nimmt aber auch Ostern in den Würgegriff.

Was machen die Kirchen? Normale Gottesdienste gibt es nicht, die Gemeinden seien aber einfallsreich dabei, zu Ostern Gemeinschaft herzustellen, sagt Splitt. Fernseh- und Rundfunkgottesdienste seien derzeit gefragt, die Einschaltquoten in die Höhe geschnellt. Außerdem gebe es digitale Angebote „bis hin zum gestreamten Wohnzimmergottesdienst“.

Den Gottesdienst aus der Wundertüte hat sich Pfarrer Jörg Mosig für seine Gemeinde in Heiligendorf bei Wolfsburg ausgedacht. Und das geht so: Zu Ostern hängt Mosig „Wundertüten“ an einer Wäscheleine an der Kirche auf, darin sind Predigttexte, eine Osterkerze, Schokolade und Witze. Die kleine Kerze können die Menschen an einer draußen aufgestellten großen Osterkerze anzünden. „Wir lassen uns von der Krise nicht unterkriegen“, betont Mosig. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich Ostern auf dem Sofa verbringe.“ So viel Zeit dafür wird er kaum haben: Er rechnet damit, 300 bis 400 Tüten füllen zu müssen.

Ostern ohne Gottesdienst war bislang bei Familie Badener aus München nicht denkbar. In diesem Jahr fällt die Osternacht in der Kirche aus, dafür gibt es eine Hausandacht wie schon die Sonntage zuvor. „Wir haben den Tisch vorbereitet mit Kreuz und Kerze und Blumen“, sagt Steffi Badener. „Das ist ungewohnt, aber wir haben uns vorgenommen, dass wir das für die Ostertage ähnlich gestalten wollen.“

Die Eltern sind sicher: Der Glaube, gemeinsames Beten und Singen geben Halt und Hoffnung. An Traditionen hält sie fest: „Ostern ist Ostern!“ Mit bunt gefärbten Eiern, Osternestern und einem selbst gebackenen Osterlamm. Und mit Schokolade – eine frohe Botschaft vor allem für ihre Kinder. Die zehnjährige Carina und der siebenjährige Korbinian freuen sich auf Osterhasen und bunte Eier – und nach drei Wochen Unterricht zu Hause sogar etwas auf die Schule.

Leiden Kinder darunter, wenn das vertraute Osterfest ausfällt, wenn sie nicht die Familie sehen können? „Ich bin überzeugt davon, dass wir Kinder nicht isoliert betrachten sollten“, sagt der Düsseldorfer Kinderpsychiater Dirk Heimann. Kinder seien stark angewiesen auf den haltenden Rahmen, den ihnen die Eltern geben - oder auch eine Tante oder die Lieblingslehrerin. Denn: „Wenn es diesen Menschen nicht gut geht, dann geht es dem Kind nicht gut“, erklärt Heimann. Selbst ein schwerer Unfall müsse für Kinder nicht schlimm sein, solange es den Eltern gut gehe. Das bedeute: Ostern werde für Kinder schlimm, wenn sie die Eltern besorgt erleben.

Lebensbejahendes müsse ausreichend Raum haben, Einschränkungen seien dann nicht so schlimm.

Dass Kinder nicht auf das Osterfest verzichten möchten, wird auch dadurch deutlich, dass jährlich etwa 40 000 Kinder dem Osterhasen Hanni Hase in Ostereistedt schreiben. Auch in der Corona-Krise antwortet das „Osterhasen- Team“ der Deutschen Post. Einer der Wünsche: Dass die Ostereiersuche in Quarantäne bitte nicht ausfallen soll. Bis jetzt hat das Team 26 000 Kindern geantwortet. „2020 ist sicherlich die ungewöhnlichste und aufregendste Ostersaison für mich“, sagt der nach über zwei Jahrzehnten scheidende Teamleiter Hans-Hermann Dunker. „Aber gerade in diesen herausfordernden Zeiten ist es besonders schön, die hoffnungsvollen Zeichen des Osterfestes weiterzugeben!“

Auch an diesem Osterfest müssen die Kinder wohl nicht auf die Ostereiersuche verzichten. Foto: Getty Images/ iStockphoto/romrodinka

Auf Urlaube und Reisen müssen die Deutschen dieses Jahr verzichten. Ob Strand, Berge oder Städtetrips – Ostern 2020 fällt touristisch ins Wasser. „Wir stehen gerade vor einer existenziellen Bedrohung“, sagt Markus Aspetzberger, Sprecher des Deutschen Tourismusverbandes. Auch 2019 sei Ostern im April gewesen. „Da hatten wir im ganzen April 40 Millionen Übernachtungen im Deutschland-Tourismus. Dieses Jahr gehen wir natürlich gegen Null.“ Touristische Übernachtungen sind derzeit tabu. „Von Bayern bis an die Nordsee – es trifft alle Bundesländer.“