Von Woche zu Woche : Verbale Abrüstung dringend geboten

Von Woche zu Woche : Verbale Abrüstung dringend geboten

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nach den gewalttätigen Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg kam es auch zu unzähligen verbalen Entgleisungen. Sie erschweren erforderliche Debatten und eine positive Streitkultur. Von ihr sind wir gerade weit entfernt.

So bekundete der Anwalt des linksautonomen Kulturzentrums Rote Flora, Andreas Beuth, vor laufender Fernsehkamera „gewisse Sympathien“ für die schweren Gewaltexzesse: „Aber bitte doch nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen.“ Seine Äußerungen schaden der von ihm vertretenen Szene und spalten die Gesellschaft.

Linken-Chefin Katja Kipping hatte Polizisten beschuldigt, durch die Straßen der Hansestadt zu „marodieren“ und Menschen zu schikanieren. „Marodieren“ wird bei Beschreibungen von Plünderungen, Brandschatzungen und Vergewaltigungen militärischer Einheiten am Rande von kriegerischen Handlungen verwendet. Es spricht für Kipping, dass sie die geschmacklose Verwendung dieses Wortes am Donnerstag öffentlich bedauert und als „analytisch falsch“ bezeichnet hat.

Auch der Vergleich der Hamburger Krawallmacher mit Terroristen durch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ist problematisch. Zweifellos waren Schwerverbrecher dabei. Sie jedoch als Terroristen zu bezeichnen, verharmlost nicht nur die Schlächter des IS.

Selbst die pauschale Zurückweisung von Vorwürfen gegen die Polizei ist nicht hilfreich. Die Sicherheitskräfte haben sich zweifellos große Verdienste erworben, aber es gibt auch 35 Ermittlungsverfahren gegen einzelne Beamte. In 27 Fällen geht es um Körperverletzung im Amt. Sieben wurden vom Dezernat für interne Ermittlungen selbst angestoßen. Ein abschließendes Urteil steht in einem Rechtsstaat hier nur einem Gericht zu.

Eine Demokratie lebt auch durch Konflikte, Streit und Zuspitzung. Unterschiedliche Positionen müssen auch als solche erkennbar sein. Zurzeit ist aber verbale Abrüstung geboten.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende

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