Zwei stille Helden

Es gibt kaum einen namhaften Preis auf Erden, den die pakistanische Aktivistin Malala Yousafzai noch nicht bekommen hätte. Nun ist die erst 17-Jährige mit dem Friedensnobelpreis geadelt worden und damit in den Olymp der Unsterblichen aufgestiegen.

Dasselbe gilt für den zweiten Preisträger Kailash Satyarthi, der jenseits der großen Öffentlichkeit wahre Kärrnerarbeit für vernachlässigte Kinder und Jugendliche in Indien leistet. Ein stiller Held, dem Ehre gebührt.

Gewiss ist die Entscheidung des Nobel-Komitees über jeden Zweifel erhaben. Aber mit ihr wurde auch deutlich, dass umstrittene Namen nicht zum Zuge kommen sollten. Die Jury hat zwei Persönlichkeiten ausgewählt, deren ideeller und sozialer Ansatz so überzeugend ist, dass sich etwaige Kritik schon im Ansatz erübrigt. Es ist und bleibt eben "ausgezeichnet", wenn man sich um die Belange von Kindern kümmert.

Gleichwohl ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Kandidaten "wie gerufen" kamen. Beide Preisträger hätte man nämlich durchaus schon im vergangenen Jahr ehren können, das wäre sogar zeitnäher gewesen. Aber dieses Mal passen sie offenbar besser. Man kann nur hoffen, dass sie es tatsächlich aus eigener Kraft geschafft haben und nicht erkoren wurden, um Edward Snowden zu verhindern. Der amerikanische Whistleblower war nach Aussage des Osloer Friedensforschers Berg Harpviken ein ernsthafter Kandidat. Mehr noch als Papst Franziskus oder Ex-Kanzler Helmut Kohl , dessen Fans sich den Traum vom Nobelpreis nun wohl endgültig abschminken können. Dass Snowden nicht zum Zuge kam, hat sicherlich auch mit dem Druck zu tun, den die Supermacht USA subtil im Hintergrund ausübt. Ein bisschen schade ist es schon, dass man in Oslo nicht den Mut aufbrachte für eine überraschende Entscheidung. Zumal es dem Komitee schon seit vielen Jahren nicht mehr gelungen ist, Aha-Effekte zu erzeugen und das Interesse der Öffentlichkeit nachhaltig auf die Idee hinter den Preisträgern zu lenken.

Nun werden also zwei Helden des Alltags geehrt. Sie stehen stellvertretend für zahlreiche anonyme Wohltäter und "Sozialarbeiter" in aller Welt. Doch die furchtbare Politik in den jeweiligen Ländern wird offiziell nicht in Frage gestellt. Und so werden sich Taliban , Al-Qaida oder die pakistanische Regierung von diesem Friedenspreis genauso wenig beeindrucken lassen wie die führenden Köpfe der indischen Kastengesellschaft, deren stille Akzeptanz das Unterdrückungssystem erst ermöglicht. Es wäre deshalb sinnvoll, wenn UN und EU jetzt nicht nur brav Beifall zollen für Malala und Satyarthi, sondern ernste Überzeugungsarbeit leisten, damit menschenfeindliche Strukturen endlich überwunden werden.