Zwang ist keine Lösung

Eltern dürften grundsätzlich nicht per Zwangsgeld zum Umgang mit einem nichtehelichen Kind gezwungen werden, heißt es im gestrigen Urteil der Karlsruher Richter. Gut so, muss man den obersten Verfassungshütern uneingeschränkt beipflichten

Eltern dürften grundsätzlich nicht per Zwangsgeld zum Umgang mit einem nichtehelichen Kind gezwungen werden, heißt es im gestrigen Urteil der Karlsruher Richter. Gut so, muss man den obersten Verfassungshütern uneingeschränkt beipflichten. Diese haben mit ihrem Spruch dem Vater eines unehelichen Kindes Recht gegeben, der vor dem Ersten Senat Verfassungsbeschwerde eingereicht hatte. Ein Oberlandesgericht hatte ihm zuvor ein Zwangsgeld in Höhe von 25000 Euro angedroht, weil er - zum Schutz seiner neuen Beziehung - sein uneheliches Kind aus einer früheren Liebschaft partout nicht sehen will. Angeblich, so seine Begründung, mache ihm sonst seine neue Lebensabschnittsgefährtin die Hölle heiß.Was zunächst absurd und wie eine Lachnummer klingen mag, nicht zuletzt weil Frauen in ähnlicher Situation so gut wie nie die Möglichkeit haben, sich ihrem Kind zum Wohle einer neuen Beziehung zu verweigern, ist bei näherer Betrachtung vernünftig. Denn die Karlsruher Richter hatten nicht darüber zu befinden, ob der klagende Vater - salopp gesagt - ein Waschlappen ist, der sich gegenüber seiner neuen Liebe nicht durchsetzen kann, sondern mussten allein auf das Wohl des Kindes schauen. Und diesem bleibt durch den weisen Richterspruch viel Ungemach und so manche seelische Grausamkeit erspart - von tausenden anderen, ähnlich gelagerten Fällen gar nicht zu reden. Man stelle sich doch nur einmal vor: Papa Unwillig, für das Kind ohnehin ein (fremder) Mann ohne Eigenschaften, holt ausschließlich wegen einer saftigen Strafandrohung seinen ungeliebten Sprössling ab. Wozu eigentlich? Zum Spielen? Zum Anschweigen? Um - im besten Fall - unmotiviert Nettigkeiten auszutauschen? Szenarien wie diese können für ein Kind nur blanker Horror, ja sogar Psycho-Terror sein. Denn Kinder mögen zwar klein sein - aber dumm sind sie nicht. Sie merken, wenn sie nicht willkommen sind und spüren, wenn sie nur geduldet und nicht geliebt werden. Davon hat niemand etwas - weder Eltern noch Kinder. Von möglichen Folgeschäden für die Psyche der Kleinen ganz zu schweigen. Kritiker werden nun einwenden, dass das Grundgesetz den Eltern nicht nur das Recht auf Erziehung ihrer Kinder zuweist, sondern sie dazu verpflichtet. Doch selbstverständlich bleibt es auch nach dem Karlsruher Urteil so, dass sich die Erzeuger zu ihren Kindern bekennen müssen. In diesem speziellen Fall aber blieb dem Bundesverfassungsgericht nichts anderes übrig, als eine verordnete Kontaktpflicht abzulehnen. Wenn ein Vater sein Kind partout nicht sehen will, nützt auch staatlicher Zwang wenig.