Zuspitzung oder Verharmlosung?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,begründet der islamistische Terror einen Krieg, eine Art Krieg oder eine neue Art von Krieg? Die Frage mag kleinlich oder belanglos erscheinen. Doch die Antworten machen klar, wie stark auch an anderer Stelle Politiker oder Sicherheitsexperten je nach Einschätzung oder Interessenlage dramatisieren oder beschwichtigen.Noch deutlicher wird dies, wenn - wie geschehen - von einem 3. Weltkrieg, einem Weltkrieg oder einer neuen Art von Weltkrieg gesprochen wird.

Was ist richtig? Was ist falsch? Wer das, was heute passiert, als 3. Weltkrieg bezeichnet, verharmlost die Verbrechen des 1. und vor allem des 2. Weltkrieges. So grausam und unfassbar der islamistische Terror auch sein mag, erreicht er die Dimensionen der Jahre 1939 bis 1945 bei weitem nicht. Da es keine räumliche Begrenzung gibt und global auch unter Einsatz von Kriegswaffen gemordet wird, spricht vieles dafür, dass wir es mit einer neuen Art von weltweiten Krieg zu tun haben. Dies zur Beruhigung der Bevölkerung völlig in Abrede zu stellen, kommt einer naiven Bagatellisierung gleich. Ja, die Bedrohungslage ist ernst. Das ist aber nicht neu. Im Kalten Krieg war sogar eine komplette Vernichtung der Bundesrepublik mit Atomwaffen theoretisch denkbar und praktisch möglich.

Heute sind alle Verantwortlichen gut beraten, Worte bedacht zu wählen und Begriffe oder Vergleiche verantwortungsvoll zu verwenden. Können sie doch auf der einen Seite Verunsicherung und Hysterie befördern und auf der anderen Sorglosigkeit und Unachtsamkeit begünstigen. Beides ist falsch und gefährlich. Weder eine Dramatisierung noch eine Verharmlosung sind hilfreich.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende

Peter Stefan Herbst
Chefredakteur