Zurück in die Vergangenheit

Es liegt ein Hauch von déjà vu über Frankreich - alles schon mal da gewesen. Nun ist der bekannteste Politiker des vergangenen Jahrzehnts also tatsächlich zurück: Nicolas Sarkozy , fünf Jahre lang Präsident und davor als Innenminister eine der Schlüsselfiguren der Regierung.

Nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2012 hatte der hyperaktive 59-Jährige eine Auszeit genommen. Doch "Speedy Sarko" hielt es nur zwei Jahre zu Hause aus, dann kündigte er sein Polit-Comeback an. Ab sofort wird er wieder täglich in den Medien präsent sein.

Doch Sarkozy verkörpert nicht den Aufbruch, den seine UMP so dringend braucht. Er wirkt müde und verbraucht. Die Polit-Abstinenz machte den 59-Jährigen nicht gelassener, sondern eher noch aggressiver. Mit aller Macht scheint der Ex-Präsident, der mit mehreren Affären in Verbindung gebracht wird, wieder in den Elysée-Palast zurück zu wollen. Er steht für eine Rückkehr in die Vergangenheit - ohne neue Ideen. Kein Wunder also, dass sein fast 15 Jahre jüngerer Gegenkandidat Bruno Le Maire bei der Wahl zum Parteivorsitz fast 30 Prozent der Stimmen bekam. "Die Erneuerung heißt Bruno" lautet der Slogan seiner Anhänger.

In der Tat braucht Frankreich integre Leute wie Le Maire, die für einen Aufbruch stehen und auch für einen Generationenwechsel. Denn die alte Garde scheint verbraucht. Das gilt nicht nur für Sarkozy, sondern auch für seinen sozialistischen Erzfeind François Hollande . Der Präsident ist unbeliebter, als Sarkozy es je war. Nichts scheint dem 60-Jährigen zu gelingen. Seine Halbzeit-Bilanz besteht aus steigender Arbeitslosigkeit, schwachem Wachstum und ausufernden Schulden. Im sozialistischen Lager positioniert sich deshalb Regierungschef Manuel Valls. Der gebürtige Spanier ist ähnlich energisch und ehrgeizig wie Sarkozy in seinen jungen Jahren. Doch Valls weiß, dass er erst einmal seine eigene Partei reformieren muss, wenn er Präsident werden will. Denn den französischen Sozialisten fehlt eine Erneuerung, wie sie die SPD mit dem Godesberger Programm durchlief. Erst wenn sich der zerstrittene PS seine Grabenkämpfe überwindet, kann er auch wieder bei Wahlen erfolgreich sein. Auf knapp 14 Prozent der Stimmen kamen die Sozialisten nur bei der Europawahl.

Davon profitiert vor allem Marine Le Pen . Die Chefin des rechtsextremen Front National fuhr bei der Europawahl mit ihrem gegen die EU und den Euro gerichteten Kurs das beste Ergebnis ein. Ihr nationalistischer Ansatz lässt sich auf zwei Schlagworte reduzieren: gegen Einwanderung, für Frankreich. Mit diesen dumpfen Parolen will sie die Wahlen 2017 gewinnen. Und wenn die anderen Parteien nicht aufpassen, könnte ihr das sogar gelingen.