Zeit – das kostbarste Geschenk

Noch drei Mal schlafen bis Heiligabend. Für viele Menschen beginnen jetzt die stressigsten Tage des Jahres. Vor dem Weihnachstsfest wird nicht entschleunigt, wie es in unserer hektischen Gegenwart notwendig wäre.

Ganz im Gegenteil. Während sich der Handel im Dezember kräftig die Hände reibt - wann sollte er es auch sonst tun - bricht landauf landab der Geschenkewahnsinn aus. Mit langen Schlangen an den Kassen, und immer öfter der Gewissheit, dass der Beschenkte bald in der gleichen Reihe stehen wird, um alles wieder umzutauschen. Eigentlich kann man heute fast nur daneben liegen. Kinder wollen oft nur noch Geld, weil sie "den Alten" außer Geschmacksverirrung wenig zutrauen. Manche würden am liebsten gar nichts mehr schenken, weil zum Weihnachtsfest in vielen Familien ein brüchiger "Burgfrieden" herrscht.

Dabei könnte man dem Schenken auch heute viel Positives abgewinnen. Wenn der Konsumgedanke nicht immer im Vordergrund steht. Denn die Klage "Der hat ja schon alles", sie gilt ja meist nur fürs Materielle. Es gibt ein Gut, das findet man in keinem Geschäft: Zeit. Heute, da nicht nur die Anforderungen des Berufs, sondern auch die allgegenwärtige mediale Zerstreuung von TV bis Smartphone die letzten freien Minuten zu beanspruchen scheinen, wird Zeit das kostbarste Präsent überhaupt. Warum also diesmal nicht Momente schenken, die anderen eine besondere Freude machen? Ein ungeplanter Ausflug mit den Kindern. Ein Kino- oder Theaterbesuch mit den Eltern. Ein Abend für die oder den Liebsten. An manche Eindrücke, die dabei entstehen, wird man sich dankbar zurückerinnern.

Zeit kann man aber auch an anderer Stelle verschenken - wo sie dringend gebraucht wird. Als "grüne Dame" etwa, die ehrenamtlich in Krankenhäusern ein paar Stunden ihrer Freizeit für Patienten opfert, die in schweren Stunden dankbar sind für jede Minute der Zuwendung. Oder als junger Mensch für ältere Nachbarn, die man bei Behördengängen Einkäufen begleiten kann - und ihnen so den Verbleib in ihren vier Wänden ermöglicht. Ehrenamtliche Tätigkeit eröffnet die Chance, an einem sinnvollen Projekt mitzuwirken. Zeit lässt sich auch an einen Verein schenken. Für die längst fällige Verschönerung des Clubheims oder auch als Leiter eines Lehrgangs. Seine Talente kann man an vielen Stellen sinnvoll einsetzen. Gerade jetzt werden viele Menschen mit Ideen und Tatkraft gesucht, die helfen, die vielen Flüchtlinge erfolgreich zu integrieren, damit sie sich in ihrer neuen Heimat wohlfühlen, statt nur als Fremde zu gelten. Persönliche Begegnungen erleichtern dies. Etwas von seiner Leidenschaft und den eigenen Fähigkeiten zu verschenken, kann viel bewirken. Nicht nur zur Weihnachtszeit.