Zauderer und Zampano

Der Supertanker USA schlingert seit der Wiederwahl Barack Obamas von einem Unwetter ins nächste. Erst das Massaker in der Grundschule von Newton, dann die Blamage um den flüchtigen Geheimdienst-Mitarbeiter Edward Snowden, dicht gefolgt von dem Giftgasangriff in Syrien.

Und jetzt der "Government Shutdown", die Schließung vieler Bundeseinrichtungen, die sehr bald in einen Staatsbankrott münden könnte.

Das Staatsschiff scheint richtungslos. Kritiker halten Obama vor, wenn es ungemütlich werde, verschwinde er unter Deck. Sein unterlegener Gegenkandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2008, John McCain, warf ihm Führungsschwäche vor, weil er sich den Vergeltungsschlag für den syrischen Chemiewaffen-Angriff vom Kongress absegnen lassen wollte. In der aktuellen Haushaltskrise geht der Vorwurf der Konservativen in die entgegengesetzte Richtung. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, beklagt sich bitter, Obama lehne kategorisch Verhandlungen ab.

Zauderer und Zampano; kann es sein, dass Obama auf der Weltbühne seine Macht nicht nutzt, während er sie daheim überzieht? Die Basis von Obamas Partei kann darüber nur lachen. Sie halten ihm außenpolitisch seine Drohnenkriege vor und beklagen, bei Fiskalkrisen zu viel demokratisches Tafelsilber verschenkt zu haben.

Der erste schwarze Präsident passt in keine Schablone. Der Oberkommandierende, der den Einsatzbefehl für die Kommando-Aktion gegen Osama bin Laden gegeben hat, ist derselbe, der versucht, die Supermacht aus dem Bürgerkrieg in Syrien herauszuhalten. Und der Führer, der sein politisches Kapital in die Einführung der allgemeinen Krankenversicherung investiert hat, steckt zurück, wenn ihm der Kongress die Schließung Guantanamos verweigert. Der Präsident begreift Politik als die Kunst des Möglichen.

Nicht möglich war ihm, das gespaltene Amerika zusammenzubringen. Das rächt sich in dieser Fiskal-Krise. Zwischen Obama und Boehner herrscht Eiszeit, seit 2011 der Versuch scheiterte, einen großen Haushalts-Kompromiss auszuhandeln. Vor allem aber geht die Revolte diesmal von unten aus. Ein paar Dutzend radikale Tea-Party-Rebellen halten den Parlaments-Sprecher in Geiselhaft.

In einem System der geteilten Regierung braucht es zwei zum Tanz. Das Verhältnis zwischen Obama und den Republikanern ist so zerrüttet, dass die Braut eher den Sprenggürtel zündet, als sich führen zu lassen. Das Ansehen und die Kreditwürdigkeit der USA könnten dabei zum Kollateralschaden werden. Obama weiß, dass er dies verhindern muss. Die ungelöste Frage bleibt: Wie? Der US-Präsident steht vor der größten Herausforderung seiner Amtszeit.