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Zähe Anbahnung einer Vernunftehe

Zähe Anbahnung einer Vernunftehe

Peter Stefan Herbst Chefredakteur saarbruecker-zeitung.de/woche Liebe Leserinnen, liebe Leser, eine große Koalition lässt sich ja als eine von den Wählern arrangierte Vernunftehe erklären.

Wenn Wunschbündnisse keine Chance haben, müssen zuerst immer die Enttäuschung und dann die Ablehnung eines anderen möglichen Partners überwunden werden. Mit ihm ist zu klären, ob genügend Gemeinsamkeiten vorhanden sind, die eine verlässliche Basis für eine Beziehung bilden können. Soll allerdings fast alles für die künftige Beziehung vertraglich geregelt werden, ist dies mühsam und schwierig. Genau in dieser Situation befinden sich gerade CDU/CSU und SPD. Trotzdem spricht vieles dafür, nicht allzu viel ungeregelt zu lassen. Hat doch die anfänglich durch starke Zuneigung geprägte Partnerschaft von Union und FDP gezeigt, dass sie die in sie gesetzte Hoffnung auch deshalb nicht erfüllen konnte, weil zu wenig konkret vereinbart war und zu vieles offen gehalten wurde.

Wenn viele Wähler an eine große Koalition nicht allzu hohe Erwartungen haben, muss dies kein Nachteil sein. Zumindest die Gefahr einer herben Enttäuschung ist zwangsläufig geringer. Voraussetzung aber bleibt, dass in allen wichtigen Politikfeldern tragfähige Kompromisse gefunden werden. Und wie bei der Erstellung eines Ehevertrages geht es zum Schluss immer ums Geld. CDU/CSU und SPD sind gut beraten, wenn sie Wünsche und Forderungen genau auf ihre Finanzierbarkeit und Folgen prüfen. Dies ist bei einer Vernunftehe noch wichtiger als nach einer Liebesheirat. Hier stehen die angehenden Großkoalitionäre auch bei allen Wählerinnen und Wählern in der Pflicht, die sie zusammengebracht haben und zum Schluss immer die Zeche zahlen müssen.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende