Wunderbare Freundschaft

Als der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der israelische Ministerpräsident David Ben-Gurion schon wenige Jahre nach dem Holocaust Kontakt aufnahmen, um über eine Wiedergutmachung zu verhandeln, war der eine von diplomatischen Interessen, der andere von wirtschaftlichen Zwängen getrieben.

Hätte Israel nicht so dringend Geld für den Aufbau des jungen Staates gebraucht, dann würden wir heute vermutlich nicht das 50. Jubiläum diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepublik feiern, sondern erst das 40. oder noch weniger. Ben-Gurion wollte denjenigen, die von den Nazis verfolgt wurden, ein Leben in Würde ermöglichen. Wenigstens das. Das Jubiläum der Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik ist ein wahrer Grund zum Feiern - für beide Seiten.

Schon der Anfang war ein reines Wunder, doch beinahe noch wunderbarer ist, wie sich aus den von Verpflichtung und Interessen geprägten Kontakten über die Jahre ein so enges Verhältnis der beiden Völker entwickelte. Deutsch ist in Israel nicht länger verpönt. Niemals nach Deutschland zu fahren, ist lange passé. Im Gegenteil: Keine Stadt ist unter Israelis so beliebt wie Berlin, und im internationalen Vergleich stehen die Deutschen bei ihnen heute mit oben auf der Popularitätsliste. Ohne die Bereitschaft der Deutschen, die eigene Geschichte zu konfrontieren, ohne die Studentenbewegung und die Abiturienten, die zu Tausenden nach Israel fuhren, um in Alten- oder Behindertenheimen freiwillig unbezahlten Dienst zu tun oder in den Kibbuzim bei der Ernte zu helfen, wäre es kaum soweit gekommen.

Die Israelis wissen, dass sie in dem Land, aus dem einst die Verfolger der Juden hervorgingen, heute einen starken Verbündeten haben. Kanzlerin Angela Merkels Äußerung, dass Israels Sicherheit deutsche Staatsräson sei, wird in Jerusalem genauso wahrgenommen und geschätzt wie die deutschen U-Boote, die Israel vor feindlichen Angriffen schützen sollen. Zu einer Freundschaft gehört es, dass man sich hilft. Ein guter Freund schützt uns aber auch vor uns selbst, wenn es nötig ist. Nur ein Feigling lässt seinen Freund ins Unglück rennen, aus Angst, seine Sympathie zu verlieren. Die Frage, ob man Israel als Deutscher kritisieren darf, ist deshalb Unsinn. Gerade als Deutscher sollte man es tun.

Das Zögern der Bundesregierung, die Palästinenser zu unterstützen, als sie im November 2012 vor der UN-Generalversammlung die Aufwertung zum UN-Nichtmitgliedsstaat mit Beobachterstatus beantragten, ist in diesem Sinne zwar nachvollziehbar, aber trotzdem falsch. Wer sich um Israel als demokratischen jüdischen Staat sorgt, der sollte für die Gründung Palästinas eintreten. Die Anerkennung auf bilateraler Ebene wäre ein möglicher Schritt.