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Wie Ärzte aufs Land gelockt werden sollen

Wie Ärzte aufs Land gelockt werden sollen

Berlin. 3000 neue Hausärzte soll es künftig in Deutschland geben. Vor allem in ländlichen Regionen mit Medizinermangel soll der Nachwuchs den Schritt zur eigenen Praxis wagen. Nach monatelangen Beratungen legte das höchste Gremium im Gesundheitswesen, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kassen und Kliniken, gestern eine entsprechende Neuplanung des Ärztenetzes vor

Berlin. 3000 neue Hausärzte soll es künftig in Deutschland geben. Vor allem in ländlichen Regionen mit Medizinermangel soll der Nachwuchs den Schritt zur eigenen Praxis wagen. Nach monatelangen Beratungen legte das höchste Gremium im Gesundheitswesen, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kassen und Kliniken, gestern eine entsprechende Neuplanung des Ärztenetzes vor. Sind mit dem Beschluss die Probleme des Ärztemangels schon behoben, bevor sie überhaupt schlimme Ausmaße annehmen?Zunächst einmal hört sich die Zahl imposant an. Doch angesichts von 60 000 Hausärzten, die es gibt, erscheint sie schon nicht mehr so hoch. Vor allem aber: Schon jetzt könnten sich 2000 Hausärzte niederlassen, wenn sich für die freien Plätze willige Mediziner finden würden.

Was ist neu? Zunächst einmal ist alles nur Papier. Die heutigen Planungsregionen für Arztsitze - die 372 Kreise und kreisfreien Städte - gelten als zu groß. Ein Kreis kann offiziell genug Ärzte haben, auch wenn diese nur in der Kreisstadt sitzen und 30 Kilometer entfernt auf dem Land kein Mediziner für die Menschen da ist. Also werden die Planungsgebiete verkleinert - gut 900 neue Niederlassungsmöglichkeiten kommen nun hinzu. Doch warum sollten Hausärzte plötzlich aufs Land gehen etwa in Sachsen-Anhalt oder im Bayerischen Wald - nur weil sie dies verstärkt dürfen? Wenn sie doch lieber in einer attraktiven Stadt arbeiten wollen? Zehntausende Ärzte sind vor dem Ruhestand. Der Bedarf an Nachwuchs wächst. Die obersten Gesundheitsplaner sind optimistisch. G-BA-Chef Josef Hecken führt Neuerungen an, die bereits Gesetz sind - so die Abschaffung von Regressen bei übermäßiger Medikamentenverordnung in den fraglichen Regionen. Oder die Aufhebung der Residenzpflicht: Ärzte dürften seit Neustem auch in einer Stadt wohnen und zur Arbeit in ihre Praxis aufs Land pendeln.

Auch 1355 Psychotherapeuten und Hunderte Fachärzte finden - von Region zu Region unterschiedlich - Niederlassungsmöglichkeiten. Die Psychotherapeuten werfen dem G-BA allerdings vor, mit veralteten Zahlen zu operieren. Unterm Strich gebe es am Ende sogar weniger Therapeuten, bemängelt ihre Kammer.

Um den Hintergedanken der Planung zu verstehen, darf man aber nicht nur eine Arztgruppe ansehen. Denn aus den modellhaften Praxenmöglichkeiten auf dem Papier werden nur echte Praxen, wenn junge Ärzte mitspielen. Bereits im September hatte der Bundesausschuss dafür Weichen gestellt. Damals verhängte er einen Zulassungsstopp für bestimmte Arztgruppen - unter anderem Jugendpsychiater, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten. Längerfristig sollen Medizinstudenten umdenken, um auf dem Land eine Perspektive für sich zu entdecken.

Verbraucherschützer glauben nicht an die schönen Worte. "Zentrale Probleme wie erhebliche Unterschiede zwischen reichen und armen Stadtteilen oder lange Wartezeiten auf Termine für Augenuntersuchungen und Psychotherapie bleiben weitgehend unverändert", sagt Ilona Köster-Steinebach vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Und die AOK mahnt, auch etwas gegen die Überversorgung in Ballungszentren zu tun. Insgesamt ist die Zahl der ambulanten Ärzte und Therapeuten nämlich gestiegen: von 140 000 im Jahr 2000 auf 155 000 zehn Jahre später.