Warten auf Anruf aus Washington

Die Älteren erinnern sich: Früher verließen Menschen manchmal nicht ihre Wohnung, weil sie auf einen wichtigen Anruf warteten. Doch dieses finstere Mittelalter der Kommunikation endete mit dem Mobiltelefon - gleichzeitig aber auch die Ausrede: "Ich war nicht da." Denn heute gibt es keinen Grund mehr, einen Anruf zu verpassen. Kann doch das Smartphone überallhin mitgenommen werden. Wer also etwa auf die dringend notwendige Information zu einem OP-Termin hofft, darf sein Handy keine Sekunde aus den Augen lassen. Oder Geräusche machen, die den Rufton übertönen könnten. Oder auf die Straße gehen, wo es zu laut sein könnte. Also sitzt der Betreffende wieder zu Hause, schaut alle drei Sekunden aufs Smartphone und hofft, dass ihn sonst niemand anruft. Und dabei könnte er auf den Gedanken kommen, dass das Warten auf den Anruf eigentlich schlimmer ist als früher. Aber glücklicherweise schafft er das in drei Sekunden gar nicht.